Was machen wir heute? : Die Zone betreten

Jochen Schmidt

Ich könnte immer noch aufzählen, welche Hollywood- Filme wann in die DDR-Kinos kamen. In dem Sommer, in dem „Beverly Hills Cop“ lief, war ich zwölf und dachte, einen besseren Film könne es gar nicht geben. Wir spielten nicht Luftgitarre, sondern Luft-Keyboard zur Filmmusik von Harold Faltermeyer.

Irgendetwas muss dann mit mir passiert sein, denn mein Filmgeschmack veränderte sich, es gehörte in den interessanteren Kreisen einfach zum Erwachsenwerden, alles von Tarkowski gesehen zu haben, obwohl das „Russenfilme“ waren. Einer aus meiner Schule war sechsmal in „Stalker“ und hatte seinen Sinn noch lange nicht ergründet. Wie bei „Solaris“ hatte Tarkowski einen Science-Fiction-Roman verfilmt, „Picknick am Wegesrand“ von den Brüdern Strugatzki, das Buch gab es sogar zu kaufen, auch so ein Geheimtip.

In der DDR war Science-Fiction-Literatur populär, denn obwohl in den Reden ständig die Zukunft beschworen wurde, war es in Wirklichkeit eine Erholung von der Wirklichkeit, sich damit zu befassen. Der Film lief in der DDR ab 1982 praktisch ununterbrochen in irgendeinem Programmkino. Man ging ja sowieso immer wieder in dieselben Filme das war ganz normal. Die Handlung blieb rätselhaft: In einer zerstörten „Zone“ war ein Meteorit eingeschlagen, vielleicht waren aber auch Außerirdische gelandet. Es sollte dort einen Raum geben, in dem geheimste Wünsche erfüllt wurden. Der direkte Weg führte in der Zone allerdings nicht am schnellsten zum Ziel, wer geradeaus ging, würde nie ankommen. Nach dem Prinzip verfuhr auch die Dramaturgie des Filmes.

Es gehörte dazu, dass man im Kino einschlief, was die Wirkung noch verstärkte, wenn man aufwachte und immer noch diese mit Brom gefärbten Schwarz-Weiß-Bilder vor sich hatte. Würde man so einen Wunschraum betreten? Was war der geheimste Wunsch, den man hatte? Konnte man es riskieren, dass er in Erfüllung ging? Jochen Schmidt

Am Donnerstag, 12. August, 20 Uhr im Kino Arsenal: „Stalker“

0 Kommentare

Neuester Kommentar