Was machen wir heute? : Dinieren

Sonja Niemann

Ich habe erstaunt gemerkt, dass sich eine Fernsehsendung namens „Das perfekte Dinner“ im Bekanntenkreis großer Beliebtheit erfreut. Man sieht fremden Leuten dabei zu, wie sie sich stundenlang bekochen und gemeinsam am schön gedeckten Tisch essen, und sitzt dabei allein mit der Tiefkühlpizza vorm Fernseher.

Ich habe fünf Minuten reingezappt und sah eine Frau in einem Taxi, die erklärte, dass der gebratene Sushi-Thunfisch an Ricotta-Limettenschaum ganz okay gewesen sei, aber leider waren die Servietten farblich nicht exakt auf die Tischdecke abgestimmt, weswegen sie nur sieben von zehn Punkten geben könne.

Neulich kam in der Kneipe die Idee auf, man könnte sich ja auch mal gegenseitig nach Hause einladen und reihum „was Schönes kochen, natürlich nichts Aufwendiges, einfach nur ’ne Kleinigkeit zusammenschmeißen und einen schönen Abend verbringen, Spaghetti mit Fertigsauce tun es ja auch“.

M. war die erste Gastgeberin. Als wir ankamen, spielte dezente Musik, der Tisch war schön gedeckt, teure Weinflaschen standen da, die Teller hatten keinen Sprung. Das Mahl sah aus wie der Versuchsküche von „Essen und Trinken“ entsprungen. M. wiegelte ab und murmelte was von „ach, war kein großer Aufwand, ,Brigitte’-Rezept, ging ganz einfach“.

Als nächste kam J. dran. J. ist eine sehr coole Frau, die ich mir nicht mit einem Kochlöffel in der Hand vorstellen konnte. Ich erwartete ein Essen, bestehend aus Crackern mit Frischkäse und zum Nachtisch eine Packung Gauloises für jeden. Ein Irrtum. Es gab Steinpilzrisotto, hervorragend.

Ich bin bald dran. Ich mache mir ein wenig Sorgen: Wieso ist plötzlich jeder Jamie Oliver? Werde ich die Einzige sein mit maximal vier von zehn Punkten? Und vor allem: Wo bekomme ich zum Tischtuch passende blau karierte Servietten mit kleinem Rotweinfleckenmuster her? Sonja Niemann

„Das perfekte Dinner“ läuft werktags um 19 Uhr auf Vox. Selberkochen ist natürlich auch gut, wenn man’s kann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar