Was machen wir heute? : Durch den Palast ziehen

Wie ein Rentnerdie Stadt erleben kann - erinnern an den Palast der Republik.

Lothar Heinke

Das ist ja nun mal wieder eine tolle Idee: Der Palast der Republik ist tot – es lebe der Palast! Wir kennen und lieben ihn alle. Er steht als Weltkind in der Mitten zwischen den beiden Domen auf dem Gendarmenmarkt und wird Anfang Oktober 25 Jahre alt. Das traditionsreiche Schauspielhaus, das heute als „Konzerthaus“ firmiert, feiert vier Tage lang seinen Geburtstag und bezeichnet sich selbst auf Plakaten als der Palast der Republik. Das hat was. Einen Palast muss die DDR ja hinterlassen haben, und ehe die Semperoper den Titel für sich beansprucht oder das Leipziger Gewandhaus …

Ganz abwegig ist das nicht, denn sowohl für den Neuaufbau des zerstörten Schauspielhauses wie für das Herzstück im Palast der Republik, den großen Saal, zeichnet derselbe Architekt, Manfred Prasser, verantwortlich. Also, wenn der eine Palast weg ist, nehmen wir eben den nächsten. Um ihn näher kennenzulernen, eilt der Rentner zur sonnabendlichen Führung durch den Musentempel. Die dauert fast 90 Minuten, und Wilfried Schütze erzählt beim Spaziergang vom Foyer bis zum neuen Otto-Saal unterm Dach so amüsante wie spannende Geschichten aus der Historie des 1821 geweihten Baues, in dessen Trümmern noch bis in die sechziger Jahre junge Birken wuchsen. Aber dann haben DDR-Arbeitsmenschen ein neues Schauspielhaus geschaffen – außen Schinkel, innen nachempfunden. Dies bestehe zu 80 Prozent aus Gips, Farbe, Leim und Können, sagt der Architekt. Der 17 Meter hohe Saal mit seinen 38 Komponistenbüsten, der Konzertorgel (5811 Pfeifen, 74 Register) und den Kronleuchtern mit 100 000 Einzelelementen aus Glas wird volltönend strapaziert: mit 700 Veranstaltungen im Jahr. Zum Jubiläum Beethovens „Neunte“, die Leonard Bernstein hier am 25. Dezember ’89 dirigierte und als Ode an die Freiheit interpretierte: „Freiheit, schöner Götterfunken“. Gänsehaut beim Erinnern – und Glückwunsch zum 25.!

- Nächste Führung: Sonnabend, 10. Oktober, 13 Uhr, drei Euro.

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