Kultur : Was machen wir heute?: Ein guter Verlierer werden

Andreas Austilat

Werden wir mal persönlich: Das muss man dem Mann ja lassen, er hat Haltung bewiesen. Letzten Sonntag zumindest. Immerhin, das war nun wirklich eine historische Niederlage, die Frank Steffel da eingefahren hat. Und was tut er? Stellt sich brav hin und sagt, "meine Schuld". Er hätte ja auch die Contenance verlieren und sich mit Händen und Füßen trommelnd auf den Boden werfen können. Oder die Kontrahenten beschimpfen. Oder den Wähler. Macht man natürlich nicht, weil, kommt nicht so gut. Denn, wer mag schon jammernde Verlierer.

Haltung ist also wichtig. Und die muss man lernen. Kinder zum Beispiel können gar nicht gut verlieren. Im Gegenteil, schmeißt man sie beim "Mensch ärgere Dich nicht" mal raus, ist furchtbar was los. Sie führen sich dann auf wie ein Fußballtrainer, kriegen einen Tobsuchtsanfall, treten gegen Tische und Bänke. Und weiterspielen wollen sie auch nicht mehr.

Bleibt die Frage: Wie bringt man die kleinen Wilden dazu, Rückschläge mannhaft hinzunehmen? Klar, indem man sie erst mal gewinnen lässt. Was furchtbar einfach klingt, in Wirklichkeit aber ganz schön schwierig ist. Denn erstens macht Spielen keinen Spaß, wenn das Ergebnis von vornherein feststeht. Und zweitens, so schlau sind selbst die Kleinsten: Die merken, wenn man sich vorsätzlich dumm stellt. Ergo braucht es ein Spiel, bei dem der Nachwuchs eine reelle Chance hat.

Schach fällt schon mal aus. Es sei denn, es handelt sich um ein überdurchschnittlich hoch begabtes Kind. Aber das ist ein Sonderfall, den wir hier nicht verhandeln wollen. Memory funktioniert ein bisschen besser, beim Memory zeigt sich nämlich ziemlich deutlich, dass die Gedächtnisleistung im Alter abnimmt, weshalb man gar nicht so zu tun braucht - Kinder haben eine reelle Chance. Memory aber kennt jeder, außerdem fehlt dem Spiel irgendwie die dramatische Note. Kurz, jenseits der zwölf wird die Sache schnell langweilig. Nein, das ist kein Tipp.

Ziemlich unbekannt dürfte dagegen das Legespiel "Zicke Zacke Hühnerkacke" geblieben sein. Was wohl zum einen am dümmlichen Titel, zum anderen am stolzen Preis und der Tatsache liegt, dass der herausgebende Zoch-Verlag eher zu den Kleinen der Branche gehört, die wahrscheinlich nicht in jedem Kaufhaus gehandelt werden. Beim "Zicke Zacke" also handelt es sich um eine hoch aggressive Memory-Variante. Nur, dass zur Gedächtnisleistung noch ein Jagdelement kommt. Ziel ist es, den Gegner zur Strecke zu bringen.

"Zicke Zacke" hat unser Leben verändert. Denn ich hatte nie eine Chance. Nicht einmal, als mein Sohn noch acht war. Null. Wenn ich mich mächtig konzentriere, gelingt es mir bis heute allenfalls eine Viertel Stunde Widerstand zu leisten, dann macht er mich alle, erbarmungslos.

Der Junge ist darüber sehr selbstsicher geworden. Ein souveräner Sieger sozusagen. Weshalb wir heute hin und wieder mal eine Partie Schach einlegen. Da verliert er. Macht ihm aber gar nichts.

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