Was machen wir heute? : Ein Teufelsloch besuchen

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Alles hat seinen Preis. Nikolassee ist ein schöner Teil von Steglitz-Zehlendorf. Wer aber spricht noch von dem See, nach dem dieser Ortsteil benannt ist? Die Anlage der Villen vor 110 Jahren und auch die Verlängerung der Avus 1938, die niemand missen möchte, haben dem Nikolassee zugesetzt.

Als Friedrich II. das Oderbruch eindeichen und trockenlegen ließ, war es mit dem sagenhaften Reichtum an Fischen, Krebsen und Wasservögeln vorbei, aber die Landwirtschaft blühte, für neue Siedler wurden propere Dörfer angelegt. Fontane erzählt in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg, wie es zuvor von Wassertieren nur so wimmelte, dass man Hechte „selbst mit Händen greifen konnte“, dass im heißen Sommer annno 1719 Krebse vor dem erwärmten Wasser bis ins Laub der Bäume Kühlung suchten, von denen sie dann „wie Obst herabgeschüttelt wurden“. Trotzdem waren die Fischer bitteram, der Fang im Überfluss brachte nichts ein.

Doch zurück zum Nikolassee. Auf einem Schild der Berliner Wasserbetriebe steht: „Wasserschutzgebiet. Hier wird Grundwasser für die öffentliche Trinkwasserversorgung entnommen. Das Gelände darf nicht verunreinigt werden.“ Wird ja nicht, keine Sorge. Da kaum einer hinfindet, gibt es keinen Müll.

Merkwürdig, trotz aller Eingriffe hat der Nikolassee etwas Wildromantisches bewahrt. Selbst in der Mittagssonne wirkt er geheimnisvoll dunkel. Da glaubt man gern, dass er im Volksmund lange „Teufelsloch“ hieß, obwohl der See doch seinen Namen schon im Mittelalter erhalten hat, und zwar den des Heiligen Nikolaus.

Umrunden kann man ihn nicht, nur ein kurzer Spaziergang ist möglich, und der genügt, unverhofft ein Biotop zu entdecken. An den sumpfigen Stellen ist so etwas wie ein Auenwald sichtbar, Baumgruppen bilden winzige Inseln, entwurzelte Stämme stecken im Morast. Noch liegt ein Eisfilm auf dem See. Nur dort, wo die Avus auf Stelzen am Ufer entlangführt, schwimmen Enten umher. Wären die lärmenden Autos nicht, so wäre es ein vollkommenes Idyll. Brigitte Grunert

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