Kultur : Was machen wir heute?: Ein Zelt ausrüsten

Andreas Austilat

Wir waren ein paar Tage in Dänemark, Campen. Oh, werden Sie jetzt vielleicht sagen, ist das denn so die Jahreszeit. Zugegeben, Camping kann sehr entbehrungsreich sein. Aber es ist preiswert, sogar in einem Land, in dem ein einziger Hotdog locker sieben Mark kostet. Und Sparen ist ja jetzt allererste Bürgerpflicht, vor allem, wenn man aus Berlin kommt. Da muss man doch Zeichen setzen, zeigen, dass man auch mal zum Verzicht bereit ist.

Kinder lieben Camping. "Können wir nicht immer hier bleiben", hat unsere Tochter allen Ernstes gesagt, das brave Mädchen. Oft gesehen haben wir sie ja nicht, aber das ist gerade das Schöne am Camping. Da rennt immer ein Pulk Kinder rum, anders als in Berlin, wo die meisten ihre Freizeit auf dem Autorücksitz verbringen, auf der Fahrt zwischen Kinderenglisch, Ballett und dem Sportverein.

Zurück zur Natur. Kommt man erst einmal ein bisschen in die Jahre, tut man sich da erfahrungsgemäß schwerer. Nur so auf dem Boden ist halt nicht jedermanns Sache. Muss aber auch nicht sein. Ein erfahrener Camper hat mir einen Katalog gezeigt, Sie glauben es nicht. Da gibt es veritable Betten zum Aufblasen, velourbeschichtet, Stück 62 Mark. Geht natürlich eine Menge Luft rein, pumpt man am einfachsten mit dem Kompressor auf. Der wird an die Autosteckdose angeschlossen und

kostet noch einmal 62,50. Oder man wählt eine sich selbst aufblasende Iso-Matte für 79,90.

Fehlt noch ein Schlafsack, zum Beispiel der Allegro Spezial (249 Mark), gut für Allergiker und geeignet bis minus 12 Grad - also auch für ein Pfingstwochenende an der dänischen Ostseeküste. Noch mehr Komfort verspricht die "Wärme auf Knopfdruck" aus dem "absolut geruchsfrei" arbeitenden Petroleum-Ofen für 398 Mark. Wer mag da schon nachts sein Zelt verlassen? Ist auch nicht nötig, schließlich gibt es die tragbare Toilette von Porta Potti ab 175 Mark. Ästheten stellen die in das separate Toilettenzelt für 280 Mark. Toilettenzelt? Was dachten Sie denn, es werden ja auch Küchenzelte inklusive Spüle und Kochtisch zum Zusammenfalten angeboten. Für den Hund gibt es das "Animal-Hauszelt Bello" für 398 Mark und den klappbaren Fressnapf für 27,50. Und damit der ganze Kram ins Auto passt, ist das Hauszelt "Family Dome" (Werbeslogan: "Go to adventure land") aus federleichtem Polyester (499 Mark) ganz klein zusammenzuknüllen.

Kommt natürlich ganz schön was zusammen. Zumal wir ja bisher weder den richtigen Kocher ausgesucht haben, noch das unzerbrechliche und ultraleichte Campinggeschirr. Und die Frage der Beleuchtung ist auch noch ungeklärt. Das summiert sich, da kann man hinterher keine großen Sprünge mehr machen. Womit wir beim Tipp wären: Berlin hat fünf Campingplätze. Liegen auch sehr schön. Und den Kindern würde der Unterschied wahrscheinlich kaum auffallen.

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