Was machen wir heute? : Eine SMS nach Amerika schicken

Andreas Austilat

Junge“, habe ich noch gesagt, „du schaffst das, wird bestimmt toll.“ Was Väter auf Flughäfen eben so erzählen, wenn ihre Söhne für ein Jahr nach Amerika gehen. Und dann wissen sie gar nicht mehr, was sie sagen sollen. Gilt für 16-jährige Jungs übrigens auch. Umdrehen hätte er sich doch noch mal können, wie er da so durch die Schranke ging. Nun ist er weg.

So ein Auslandsjahr ist ja nicht nur gut zum Sprachenlernen, da wird man doch auch selbstständiger. Er zum Beispiel, gleich am ersten Tag. Anderthalb Stunden hatte er in New York zum Umsteigen. Nach 40 Minuten Schlange stehen erklärte ihm ein Einwanderungsbeamter, dass er leider das falsche Formular bekommen habe und sich jetzt mit dem richtigen noch mal anstellen müsse. Eigentlich wollten sie ihn dann am Flugsteig schon gar nicht mehr mitnehmen, aber er hat es doch noch geschafft. Mein Sohn, toll, was der allein alles kann.

Das hat er uns letzten Sonntag erzählt. Und wie nett alle seien und wie schön die Schule, die sie sich schon mal angeguckt haben, und dass er angeln war. Angeln? Er war noch nie angeln. Und dass er mit Mike und Nick auf einem Festival war. Was für ein Festival? Und wer ist Nick? Wie gesagt, letzten Sonntag. Seitdem haben wir nicht mehr gesprochen.

Hab ihm dann Montag eine SMS geschickt. „Wie ist es so?“ – „Prima“ kam es zurück.

„Denk an die Winterstiefel“, habe ich ihm Dienstag geschrieben, er wohnt jetzt relativ dicht an der kanadischen Grenze, da wird es bald kalt, weiß man doch. Keine Antwort. Mittwoch, neue SMS von mir: „Immer noch alles prima? Ruf doch mal an“. – „Ja, toll. Rufe am Sonntag an, wie vereinbart.“ Stimmt, wir hatten vereinbart, dass er versucht, sich immer sonntags zu melden. Aber es gibt doch so viel zu erzählen, da könnte er doch mal … „Du musst loslassen“, hat meine Frau gesagt. Klar, aber schon nach einer Woche?

Warte jetzt auf Sonntag.

Andreas Austilat

Wer im nächsten Sommer ein Auslandsschuljahr plant, sollte sich jetzt informieren. Einen ersten nützlichen Überblick bekommt man im Internet unter www.schueleraustausch.de.

0 Kommentare

Neuester Kommentar