Kultur : Was machen wir heute?: Eine SMS verschicken

Daniel Haaksman

Letzten Samstag in einem Club in Mitte, nachts um halb zwei. Vor der Damentoilette hat sich eine Schlange gebildet. Zwei telefonieren. "Wie ist es bei Euch?", wird jemand am anderen Ende der Leitung gefragt, "und, ist es voll?". Kurze Pause. "Wer ist alles da? (Pause) ... ach, echt? Ja, hier ist es nicht so toll, ich komme gleich mal zu Euch. Kann aber noch ein bisschen dauern ... Ja, Tschüüüs". Etwas weiter vorne wird noch gesprochen: "... hör mal, sagt an der Tür, ihr wärt Freunde von dem DJ aus Köln, und ihr wärt extra angereist um ihn zu sehen". Kurze Pause. "Was? Ich hör Euch so schlecht! ... Ja okay, dann bis gleich." Und legt auf.

Party feiern im Zeitalter mobiler Telekommunikation. So wie in der geschilderten Szene wird wohl auch heute Abend an vielen Orten das Ausgehen logistisch organisiert. Aber wahrscheinlich nutzen Sie ja selbst das Handy, um sich mit Freunden kurzzuschließen. Weil Sie auch keine Lust mehr haben, ihre Zeit auf langweiligen Veranstaltungen zu verschwenden.

Ulli, ein Clubbetreiber aus Frankfurt am Main erzählte mir neulich, dass das Handy das Ausgeh- und Feierverhalten der meisten Partygänger völlig verändert habe. Während man sich früher an einem Ort zu einem festen Zeitpunkt verabreden musste, sagt man heute ganz einfach: "Wir können ja später mal telefonieren und schauen, was so geht. Für Clubs oder Partyveranstalter kann das gute wie schlechte Seiten haben, denn bei so viel Mobilität spricht sich natürlich schnell herum, wo etwas wirklich Aufregendes passiert und wo nicht.

Ganz hilflos sind die Clubs dabei nicht. Sie machen per SMS Werbung für ihre Partys. Vor allem illegale Clubs verschicken die SMSse. Das kommt sie nicht nur billiger, der Absender kann auch davon ausgehen, dass die Partyinformation wirklich nur die Leute erreicht, die er in seinem Club haben möchte. Weil man bei Flyern nie weiß, wer sie in die Hände bekommt. Eine SMS, die mir sagt, was an diesem Wochenende passiert, habe ich noch nicht bekommen, aber ich werde mein Handy heute Abend auf alle Fälle die ganze Zeit angeschaltet lassen. Heute ist nämlich die Eröffnung der zweiten Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst und man kann davon ausgehen, dass es im Anschluß einige Partys geben wird.

Eröffnet wird heute Abend übrigens auch die neue Galerie von Martin Klosterfelde. Der war bisher in der Linienstraße zu Hause, dort wurde es ihm aber zu klein, und jetzt eröffnet er in der Nähe von Checkpoint Charlie neue Räume. Eine Party wird es dort zwar nicht geben, aber dafür eine sehr sehenswerte Ausstellung des dänisch/norwegischen Künstlerduos Elmgreen/Dragset und des polnischen Bildhauers Edvard Krasinksi. Was danach passiert, weiß ich noch nicht, aber mal schauen, vielleicht treffen wie uns ja, ich sag Ihnen dann Bescheid.

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