Was machen wir heute? : Einen Diskurs anstoßen

Wie ein Neuberlinerdie Stadt erleben kann

Till HeinD

Auf einem Sommerfest erzählte ich von einer Gruppe Frauen in Burkas, die mir auf der Sonnenallee häufig kichernd entgegenkommt. „Schrecklich“, sagte einer. Man sehe in letzter Zeit immer mehr Frauen in Burkas.

Na ja, sagte ich, die Frauen- Gang wirke immer gut gelaunt, soweit man das halt sehen könne. Mein Gesprächspartner meinte, es gehe nicht an, dass Frauen sich verhüllen müssen, mitten in Berlin. „Genau“, sagte ein Weiterer: „Darüber brauchen wir einen öffentlichen Diskurs.“

Beim Stichwort „Diskurs“ wird mir immer schwarz vor Augen. „Ich finde, jeder Mensch soll sich so kleiden dürfen, wie er will“, versuchte ich zu versöhnen. „Eben!“, sagten alle am Tisch. Und in fundamentalistischen Familien bestimme der Vater alles. Von der Burka zur Zwangsverheiratung sei es nur ein kleiner Schritt. Einer wiederholte, wie wichtig der „öffentliche Diskurs“ über solche Themen sei. „Und wie stellst du dir das vor?“, fragte ich. „Soll ich zu einer Burka-Trägerin sagen: Hey, zieh dich mal bisschen lockerer an. Du wirst sicher unterdrückt.“

Falsch verstandene Toleranz habe zum Problem der Parallelgesellschaften geführt, sagten die anderen. Einer plädierte erneut für einen Diskurs. „Wo wohnst du?“, fragte ich. „In Potsdam“, sagte er. Typisch, dachte ich. „Und du willst mir was über Burkas erzählen.“ Abends klagte ich Y. mein Leid. „Ein Potsdamer! Da leben doch nur Deutsche!“ Y. spottete: „Wie viele arabische Familien hast du denn schon kennengelernt? Du hast doch auch keine Ahnung.“ Wo sie recht hat, hat sie recht.

Immerhin war ich heute im „Risa“, einem Schnellrestaurant im Morgenland-Stil. „Warum gibt es hier eigentlich nur Hähnchen?“, fragte ich den Filialleiter. „Wir essen viel Hähnchen im Libanon.“ – „Und wie viele braten Sie pro Tag?“ – „Viele.“ – „Haben Sie ein Vorbild unter den Restaurantketten? – „Bis jetzt nicht.“ Cooler Typ, dachte ich. Nächstes Mal werde ich den Diskurs vertiefen. Till Hein

Libanesisch zubereitete Hähnchen vom Holzkohlengrill: Risa, Sonnenallee 26 (Neukölln) und Turmstraße 39 (Moabit)

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