Was machen wir heute? : Einen Landeplatz finden

Kirsten Wenzel

Man kommt nicht drum herum: Wer Neuberliner sein will, muss sich hier auch niederlassen. Nur wo denn bitte!? Als ich mich das letzte Mal in dieser Lage befand, vor 15 Jahren, erledigten sich solche Entscheidungen noch mit erstaunlicher Leichtigkeit: Zeitungsannoncen und Stadtplan nebeneinander auf den Cafétisch gelegt, 90 Prozent der Stadt aus purer Unwissenheit für unbewohnbar erklärt („Zehlendorf? Geht gar nicht! Lichtenberg? Ist doch in Brandenburg!“) ein wenig in Kreuz- und Schöneberg rumtelefoniert und schon war man WG-Mitglied.

Mit Familie im Gepäck, einem Erstmals-Neuberliner plus Nachwuchs, stellt sich die Sache viel komplizierter dar. Ein konsensfähiges Zuhause muss her: zentrumsnah, grün, ruhig, kinderfreundlich. „Gibt’s überhaupt nicht“, brummt der Neuberliner an meiner Seite. Vorschläge wischt er mit der üblichen Kompetenzgeste beiseite: „Tempelhof geht gar nicht!“ Selbstverständlich war er noch nie dort.

Seit wir an einem Gartenzaun einen Aufkleber mit durchgekreuztem Flugzeug entdeckt haben, ist die Sache vollends ausweglos. „Hurra, wir kommen nach Berlin – der Großflughafen auch“, ätzt der Neuberliner an meiner Seite. An den Wochenenden besuchen wir nun regelmäßig die Fluglärminformationszentren in Stahnsdorf und Lichtenrade. Zitierfähige Experten zu den Themen Geradeausflüge und Parallelstarts sind wir auch geworden. Nun weht der Wind uns um die Nase. „Solange die Flugrouten für den BBI nicht festgelegt sind, werden wir in Berlin nicht landen“, verkündet der Neuberliner an meiner Seite entschlossen und hält das Steuer fest mit beiden Händen. Es ist kalt hier oben. Ja, schauen Sie ruhig mal in den schönen Himmel über Berlin. Irgendwo da kreisen wir noch herum, auf der Suche nach einem ruhigen Landeplatz mit Perspektive. Falls Sie einen kennen, vielleicht auch mit Schallschutzwand, winken Sie doch bitte und lotsen uns vorsichtig herunter. Kirsten Wenzel

Info-Büro gegen Fluglärm Lichtenrade: Bahnhofstraße 48, samstags und montags 10 bis 14, donnerstags 10 bis 13 und 16 bis 18 Uhr.

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