Kultur : Was machen wir heute?: Einen Namen fürs Lulu finden

Markus Huber

Mag sein, dass Sokrates ein kluger Mann war, Descartes ein großer Philosoph und Konfuzius auch kein Dummer nicht. Aber verglichen mit Oma Eidlhuber sind sie alle Schulbuben. Okay, Descartes sagte uns, dass er denkt und also ist, aber mit so etwas hält sich Oma Eidlhuber, rüstige 85 und nebenbei die Oma meiner Frau, gar nicht erst auf. Stattdessen hatte sie die ultimative Antwort auf die für mich nicht ganz unwichtige Frage, warum ein Bub ein Bub wird und ein Mädchen ein Mädchen.

"Hör zu", sagte Oma Eidlhuber zu mir und drosch ihren spitzen Krückstock auf den Boden: "Beim Kindermachen setzt sich immer der aktivere Sexualpartner durch und zeugt sein gegenteiliges Geschlecht." Ich sah mir meine bereits Eltern gewordenen Freunde mal näher an und bemerkte: Oma Eidlhuber hat Recht. A. und B. haben einen Sohn, das war klar. R., der zwar gerne mal eine kesse Lippe riskiert, aber trotzdem ein Frauenversteher ist, hat auch einen Sohn. Bei G. und T. stutzte ich zuerst, aber als ich Freund G. zum ersten Mal seinen Sohn wickeln sah, war ich wieder bei Oma Eidlhuber. Nachgerade überflüssig zu erwähnen, dass ich eine Tochter habe. Und sonnenklar, dass mich meine Freunde, nachdem ich sie mit Oma Eidlhubers These konfrontierte, zuerst ganz belustigt abkanzelten. Dem wissenden Grinsen ihrer Lebensgefährtinnen entnahm ich, dass ich nicht so falsch lag.

Ja, ich habe ein Mädchen, und auch wenn sich mein Vatertraum, bestehend aus grünen Ringelstutzen, weißen Hosen, grünem T-Shirt mit der Aufschrift "SK Rapid 9" nicht erfüllen wird, ist das auch gut so. Das merkte ich, als Sonntagnachmittag die ganzen Buben (alle jünger als 18 Monate) samt Eltern rund um unseren Wohnzimmertisch saßen und ein weiteres großes Problem diskutierten. Wie soll man das Ding nennen, bei dem bei Buben das Pipi rauswischerlt? Ich war da ganz entspannt, denn bei meiner Tochter wird dieses Problem aus Erziehungsgründen frühestens in 18 Jahren, also wenn sie 20 wird, Thema sein. Bei Bubeneltern ist das anders. G. und T. plädierten für Kränchen, was in sich logisch ist. Andererseits kann das für den kleinen Bengel aber ziemlich verwirrend sein, weil es in Berlin doch viele Kräne gibt, an deren Spannweite der Gute wohl nie herankommen wird. Papa G. kann also bereits für das Therapeutenhonorar zu sparen beginnen.

A und B. erklärten uns, dass ihr Balg aus einem "Bifi" pinkelt. Hm. In ein paar Jahren kann das in der Kita zu ziemlichen Problemen führen, wenn der kleine A. einer Spielfreundin sein "Bifi" zeigen will, und das arme und gutgläubige Gör Lust auf eine Zwischenmahlzeit hat. Blieben R. und K. Betrübt sagten sie uns, dass sie für den Piepmatz ihres Sohnemannes noch gar keinen Namen haben. Ein Wickeltest brachte uns die Erkenntnis, dass sie sich damit auch wirklich noch Zeit lassen können.

Und wie sagt Oma Eidlhuber zum Corpus delicti? Gar nichts sagt sie, sagt sie. Oma Eidlhuber hat übrigens zwei Mädchen und nur einen Jungen.

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