Was machen wir heute? : Einen neuen Freund finden

Till Hein

Ich bin ein Mann der Tat. In der WG habe ich kürzlich einen Putzplan durchgesetzt. Reinlichkeit ist wichtig. Schließlich sind wir erwachsene Menschen. Im neuen Putzplan steht, dass ich heute dran bin. Mist!

Entschlossen schalte ich den Staubsauger ein. Wow! Hört sich wie ein Ferrari an. Klingt das immer so? Leider saugt das Gerät nicht. Der Beutel ist voll, denke ich. Aber nein: Der Beutel ist leer. Der Staubsauger ist hinüber.

„Kein Problem“, sagt O. entspannt: „Lass uns nach Steglitz fahren!“ Dort gebe es im „Schloss“ einfach alles. Im Staubsaugerkönigreich Steglitz war ich noch nie. Das „Schloss“ habe ich mir allerdings märchenhafter vorgestellt. Und weniger kommerziell. Statt Sissi residieren hier Palmers, Zara, Media-Markt. Am liebsten würde ich gleich wieder weglaufen, aber für die Hygiene tue ich alles. Sicher liegt das an meinen Schweizer Wurzeln. „E suuberi Sach!“, lautet eine der stärksten Gefühlsausbrüche, zu denen wir Basler fähig sind.

Gut, dass O. schon im Internet recherchiert hat: Auch in Deutschland scheinen manche Menschen eine Art Liebesbeziehung mit ihrem Staubsauger zu führen. „Mein kleiner roter Freund ist einfach wundervoll“, steht in einem Staubsauger-Forum. Sollen wir auch ein rotes Gerät wählen?

Was die technische Entwicklung betrifft, ist das Staubsaugerkönigreich Steglitz weltklasse: Im „Schloss“ gibt es sogar Geräte ohne Beutel. Dennoch liebäugeln wir mit einem konventionelles Staubsauger namens „Tango“. In „Mangorot“, für 149 Euro. Aber O. führt mich in weitere Geschäfte, um interessante Preisvergleiche anzustellen. Überall gibt es den „Tango“. „Ein gutes Zeichen“, sagte O., „spricht für Qualität.“ Und überall kostet er 149 Euro. Ein ehrgeiziger Verkäufer will uns stattdessen den „Fakir“ aufschwatzen. Da kriege man unter anderem eine „Turbobürste“ dazu. Schischi, denke ich. Wir kaufen „Tango“. Er kann zwar nicht tanzen. Aber sonst macht er einen super Job, unser kleiner neuer roter Freund. Till Hein

Das etwas andere Schloss, direkt vor den Toren Berlins: www.sanssouci-sightseeing.de

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