Was machen wir heute? : Einen Promi besuchen

Wie erlebt ein Rentner die Stadt erleben kann.

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Als die Lena-Begeisterung unser Wohlempfinden in die höchste Euphorie versetzt und der Nachbar mehrfach geklingelt hatte, um uns mitzuteilen, dass er nun eine Unterschriftensammlung organisieren wolle, damit sie Bundespäsidentin werde, sprach Gertrud, meine liebe Frau, die entscheidenden Worte: „Morgen gehen wir zu Knut in’n Zoo!“ „Wieso denn das?“ entgegnete ich ratlos-zaghaft, „wir haben uns doch bisher erfolgreich jeder Art von Massenhysterie entzogen?“ „Das ist es ja eben“, sagt Trudchen, „wollen wir doch mal sehen, wie es dem kleinen Knut im stinknormalen Alltag geht“.

Wir los zum einstigen Hype. In Berlins Arche Noah ist alles sehr gepflegt, auch die vielen Kinder vor und hinter den Gittern und Gattern. Aber wo ist ER denn nun? Was blieb vom Ruhm des mit menschlicher Wärme seit seiner Geburt am 5. Dezember 2006 hochgepäppelten Knuddelknut? Zunächst mal finden wir am Gehege lauter ratlose Menschen, die nach einem Wärter suchen, der ihnen erklären könnte, wer von den drei weißen Schwergewichten denn nun dieser berühmte Knut ist? „Ursus maritimus“ sind sie alle, doch niemand hat ein Namensschild um den Hals, und auf flehende Zurufe – Knuuut, nu saach doch ma wat – reagiert nur einer, indem er mit dem Publikum flirtet und mit dem Po wackelt, also Promi-Getue. Doch er ist es nicht.

„Dort hinten, um die Ecke, neben den Braunbären, da issa“, ruft plötzlich die Besitzerin einer Jahreskarte, und siehe, da steht ja schon der Kiosk mit den allerliebsten Knutibären. Leider haben die mit dem weißen Riesen im Gehege ungefähr so viel gemein wie Lena Meyer-Landrut mit der Walküre von Wagner. Drei Jahre sind am Knut nicht spurlos vorübergegangen. Wer denkt, dass ihn wenigstens die Liebe zur Gespielin Gianna in einen Stürmerdränger verwandelt, der irrt: Nix da mit „Love is in the Bär“. Dennoch fotografieren die Leute, Hauptsache Knut, auch wenn ers gar nicht ist. Einmal Promi – immer Promi? „Mit deiner Lena geht das auch mal so“, sagt Trudchen, „aber besser singen als Knut, das kann sie“. Immerhin.

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