Was machen wir heute? : Eisbären beobachten

Till Hein

Ich liebe Berlin. Nur Hertha nicht. Jetzt haben die auch noch den ehemaligen Trainer vom FC Zürich geholt. Als Basler kann ich das nicht gutheißen.

Ich war deshalb bei den Berliner Eisbären im Exil: junge Schränke, die einer kleinen schwarzen Scheibe nachjagen. Rührend. Die Eisbären spielten gegen Sinupret. Die gefürchteten Sinupret Ice Tigers aus Nürnberg. Vor dem Spiel heizten auf dem Eis Sänger in Eisbärenkostümen ein. Die Fans in den sackartigen Eisbären-Trikots jubelten und warfen mit Papierschnipseln. Manche skandierten: „Alles Scheiße, außer Eisbär’n!“ Bären sind Sympathieträger. Vielleicht sollte ich Eishockeyfan werden?

Immerhin habe ich als Kind auf der Basler „Kunschti“ Schlittschuhkurse besucht. Wir lernten da übersetzen und Eier legen. Das Eierlegen ist noch anspruchsvoller als das Übersetzen: Man lässt die Beine weit auseinandergleiten, um sie im letzten Moment wieder zu schließen. Wenn alles klappt, ritzen die Kufen eine eiförmige Spur ins Eis. Wenn nicht, zieht man sich eine Adduktorenzerrung zu.

Ob die Eisbären Eier legen können? Rempeln, das haben sie drauf! Ständig schmetterten sie Sinupret-Tiger gegen die Bande. Ich glaube, die Nürnberger sollten sich besser einen Kieferchirurgen als Werbepartner suchen.

Die schwarze Scheibe ist wirklich sehr klein. Zum Glück leuchtete eine elektronische Anzeigetafel auf, sobald ein Tor fiel. Dann wurde noch ständig ein- und ausgewechselt. Hockeyspieler scheinen keine Kondition zu haben. Und offensichtlich verlieren selbst die Trainer den Überblick. Einmal verwarnte der Schiedsrichter die Sinupret-Tiger wegen „zu vieler Spieler auf dem Eis“. Am Ende stand es 5:2 für die Eisbären. „Wir werden Deutscher Meister!“, grölten die Fans. Ich jubelte mit, als gehörte ich dazu. „Hoffentlich hat der FC Basel heute gewonnen“, dachte ich später in der Straßenbahn. Man kann sich sehr einsam fühlen mitten in Berlin. Till Hein

Heute spielt EHC Eisbären Berlin im Sportforum Hohenschönhausen gegen ERC Ingolstadt, Beginn: 19 Uhr 30; www.eisbaeren.de

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