Was machen wir heute? : EM-Bildli sammeln

Till Hein

Heute kam ein Päckchen an. Eine knallrote Schirmmütze mit weißem Kreuz, ein rot-weiß-roter Fanschal und eine Schweizer Fahne lagen darin. „Bald geht's los“, schreibt meine Schwester. „Und ich finde, wir müssen zu unseren Wurzeln stehen!“

Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Sofort habe ich die Flagge an mein Büroregal gehängt. Sie ist so riesig, dass sie alle Recherche-Unterlagen verdeckt. Aber an Arbeit ist sowieso nicht mehr zu denken: Schon in zwei Wochen wird das Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft angepfiffen – in Basel!

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Ständig bekomme ich Briefe mit einschlägiger Ware: doppelte „EM-Sammelbildli“ von meinem Basler Schulfreund Timo, die ich liebevoll in mein „Tschutti-Heftli“ klebe. Leider gibt es die Bildli in Berlin nicht zu kaufen, aber ich werde jetzt online bestellen, damit ich mit Timo Doppelte tauschen kann.

Es sind nicht einfach Fotos der Fußballstars, sondern eindrucksvolle Gemälde. 18 Illustratoren haben entlarvende Portraits geschaffen: Die schwedischen Spieler etwa sehen wie aus Zucker aus, die Franzosen dumm wie ein Baguette, die Weltmeister aus Italien leiden offensichtlich an Gelbsucht und die deutschen Spieler wirken, als hätten sie Opium geraucht. Wir Schweizer hingegen blicken aus frischen, anmutigen Gesichtern in die Welt. Kein Wunder, dass wir Europameister werden!

Selbstverständlich hat uns in erster Linie unser Interesse für die modernen Malerei zum Bildli-Sammeln motiviert. Aber wahrscheinlich gibt es auch evolutionäre Gründe: Im modernen Mensch lebt der Jäger und Sammler aus der Steinzeit weiter.

Viele unserer ehemaligen Schulkameraden sind im reiferen Alter dazu übergegangen, statt Tschutti-Bildli Weine zu sammeln. Timo und mich hat das nie gereizt. Viel zu teuer. Und wir finden, ohne das Tauschen fehlt beim Sammeln sowieso der Kick. Till Hein

Am 7. Juni um 18 Uhr ist EM-Anpfiff: Schweiz – Tschechien in Basel. Sammelbildli bestellen unter: www.tschuttiheft.li

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