Was machen wir heute? : Emils neue Detektive sein

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann. Indem sie eine Emil-Tour durch Berlin macht.

Heike Jahberg

BerlinAuthentizität kann ganz schön anstrengend sein. Nehmen Sie zum Beispiel „Emil und die Detektive“. Sie erinnern sich: Die Geschichte von Emil Tischbein, dem Herr Grundeis im Zug nach Berlin das Geld klaut und der dann mit Hilfe von „Gustav mit der Hupe“, dem „Professor“, „Pony Hütchen“ und vielen anderen den Verbrecher stellt. Erich Kästner hat sich die Geschichte 1929 ausgedacht und lässt sie da spielen, wo er gewohnt hat – in Wilmersdorf und in Schöneberg.

Für Emil-Fans gibt es heute Touren, bei denen die Kinder auf den Pfaden der Detektive wandeln. Wir haben eine solche für den Geburtstag von Linda gebucht. Das Problem: Viele ihrer Gäste haben das Buch nicht gelesen, sondern bestenfalls die Neuverfilmung gesehen. Doch unsere Tour spielt an den Originalschauplätzen, am Nikolsburger Platz und am Nolli und nicht – wie der Film – im Adlon oder am Schlesischen Tor.

Irrungen, Wirrungen. Im Buch beginnt die Verfolgungsjagd am Bahnhof Zoo. Emil nimmt die Straßenbahn 177 und fährt zur Kaiserallee. Auch unsere Tour startet am Bahnhof Zoo. Dort sollen sich die Kinder am Infoschalter nach der Straßenbahn erkundigen. Doch vor dem Counter ist eine lange Schlange, und der ratlos wirkende Servicemitarbeiter sucht tatsächlich in seinem PC nach der Straßenbahn – natürlich vergeblich. Schließlich schickt er die Kinder wie geplant zum U-Bahnhof Güntzelstraße. Doch auch dort ist nichts mehr so, wie es zu Kästners Zeiten war. Das „Café Josty“ ist eine Tankstelle, der Kiosk steht nicht mehr.

Die Emil-Tour zeigt eindrucksvoll, wie sich Berlin verändert hat. Von den alten Häusern steht kaum noch eines, der Krieg hat tiefe Wunden gerissen. Nach zwei Stunden endet die Führung an einem Hotel am Nollendorfplatz. Doch Herr Grundeis ist weg und hat nur seinen Hut hinterlassen, mit Emils Geld. Zum Abschied gibt es Schokotaler für Emils neue Detektive – in Euro. Auch Authentizität hat ihre Grenzen.

Infos für Emils neue Detektive unter www.stattreisenberlin.de

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