Was machen wir heute? : Endlich Ferien

Sigrid Kneist

Mir reicht’s. Ich habe von der Schule die Nase voll. Zeit, dass es nächste Woche endlich Ferien gibt. Distanz muss jetzt sein, sonst werde ich noch ausfallend. Das liegt meinem friedliebenden Naturell eigentlich fern. Mit dem eigentlichen Unterricht hat mein Unmut nichts zu tun; ich muss mal grundsätzlich werden.

Über kaum etwas in Berlin wird so ausgiebig diskutiert wie über Schule und Bildung. Dabei erfahren Schüler, Lehrer und wir Eltern täglich, welchen Stellenwert das Thema wirklich hat. Es beginnt bei Äußerlichkeiten. Charlottes Schule beispielsweise ist ein alter wilhelminischer Bau; Gelder für Renovierungsarbeiten stehen schon lange nicht mehr zur Verfügung. Das Klassenzimmer war in einem katastrophalen Zustand. Der Putz bröckelte, in den Wänden prangten bis zu zehn Zentimeter tiefe Löcher, mit Blick auf darunterliegende Rohre. Einfach rottig. Wir Mütter und Väter beschlossen, dass unsere Kinder in dieser Umgebung nicht lernen sollen. So wie etliche Eltern an vielen Berliner Schulen machten wir uns daran, das Klassenzimmer zu verschönern.

Also leistete ich meine Wochenendeinsätze ab, obwohl Renovierungsarbeiten auf meiner persönlichen Hitliste noch hinter Fensterputzen und Rasenmähen liegen. Gemeinsam mit anderen Eltern griff ich zu Schwingschleifer, zu Farbrolle und Pinsel. Gut sieht der Raum jetzt aus. Wir haben was geschafft. Tja, Äußerlichkeiten lassen sich beseitigen.

Leider erfuhren wir quasi beim letzten Pinselstrich, dass die bei den Kindern beliebte Lateinlehrerin – die fünfte übrigens innerhalb von drei Jahren – nach den Ferien die Schule verlässt. Sie geht nach Hamburg, dort werden die Lehrer besser bezahlt. Im Fach Ethik, das vom rot-roten Senat dermaßen gesellschaftspolitisch überhöht wird, komme ich bei den Lehrerwechseln allein in diesem vergangenen Schuljahr nicht mehr hinterher. So viel zum Thema Wertevermittlung. Ich brauche jetzt erst mal eine Auszeit. Sigrid Kneist

Die zweite Stufe des Volksbegehrens „Pro Reli“, dessen Initiatoren die Gleichberechtigung des Fachs Religion mit Ethik erreichen wollen, startet nach den Sommerferien.

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