Was machen wir heute? : Fahrrad fahren

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Das Auto haben wir schon vor Jahren abgeschafft. Selbst als die Kinder noch klein waren, haben wir all unsere Wege zu Fuß, mit dem Bus oder dem Fahrrad zurückgelegt. Manchmal war das ein bisschen mühselig, aber der Verzicht aufs Auto hatte auch jede Menge Vorteile. Wir mussten uns nie um kaputte Auspuffe kümmern, bei Klimadebatten konnten wir glänzen, und unterm Strich haben wir eine Menge Geld gespart. Jetzt sind die Kinder groß, fahren selbst Rad, und das Leben funktioniert auch ohne Auto ganz gut.

Nur ein großes Abenteuer war uns bislang versagt geblieben: die Autobahn. Doch auch dieses letzte Autofahrer-Privileg ist jetzt gefallen. Vor gut einem Monat haben wir mit unseren Rädern die Avus bezwungen – bei der Sternfahrt des Fahrradclubs ADFC.

Die Älteren unter Ihnen werden sich vielleicht an den Winter des Jahres 1973 erinnern. Damals hatten die Ölmultis den Benzinpreis so sehr in die Höhe getrieben, dass die Regierung reagierte. Sie verordnete vier autofreie Sonntage im November und Dezember, um Benzin zu sparen und den Scheichs Paroli zu bieten. Für die Leute war das damals ein Fest. Familien spazierten auf der Autobahn herum, Radfahrer zuckelten gemütlich am Kamener Kreuz vorbei. Eine Zeit der Stille.

Darauf hatten wir auch jetzt gehofft. Wir sahen uns entspannt die Avus entlang radeln, locker in gemächlichem Tempo auf den Funkturm zufahren. Doch die Realität sah anders aus. Statt nach eigenem Gutdünken auf- und abzufahren, mussten wir im Pulk der Sternfahrt bleiben. Es war voll und gefährlich. Ständig überholten Rowdies, fuhren Schlangenlinien und versetzten unsichere Radfahrer in Angst und Schrecken. Kurz vor dem Funkturm standen wir im Stau und mussten schieben. Die Kinder meckerten über den blöden Ausflug, und wir bekamen Mitleid. Mit den Autofahrern, die so was jeden Tag erleben müssen. Heike Jahberg

Üben für die Radfahrprüfung kann man in den Jugendverkehrsschulen, eine Übersicht finden Sie unter www.berlin.de/polizei/verkehr/jugendverkehrsschulen.html

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