Was machen wir heute? : Farben mischen

Wie ein Ost-Berlinerdie Stadt erleben kann

Robert Ide

Der Fächer in meiner Hand entfaltete immer neue Farben. Ich sah ein Sandgelb, ein Sandgelb mit Rotstich, ein Sandgelb mit Grünstich, und ich fragte mich verwirrt: Ist das nicht sowieso zu viel Gelb für meine Wand? Also gab mir die Frau im Farbenladen einen weiteren Fächer, und einen weiteren und … – dabei war ich mit meinen Gedanken längst im Urlaub; da hatte ich diesen Sandton gesehen.

Es war so, dass ich in meinem Sommerurlaub durch ein glückliches Missverständnis in eine höhere Zimmerkategorie eines Land- und Strandhotels gerutscht war, was mir den Vorzug eines Whirlpools inmitten des Wohnbereichs verschaffte. Beim Bad mit Meerblick fielen meine Augen auch auf die schönen sandigen Fliesen des Nassbereiches. Das wäre eine Farbe für die leere Wand zu Hause, dachte ich da. Zurück in Berlin suchte ich wochenlang in sämtlichen Farbmischstationen der Stadt nach der richtigen Sandfarbenmischung. Aber überall sah ich nur Gelb.

„Da ist sie!“, rief ich. Mein Finger hielt den Fächer an. Die Frau im Farbengeschäft schaute mich erleichtert an und gab den Farbton in ihren Mischcomputer ein: Umbra 23 S 4. Das S steht bestimmt für Sand, dachte ich, und musste wieder an mein Glück mit diesem Sommerurlaub denken, an den Whirlpool mit den schönen Fliesen, der sogar das englische Frühstück in der Hotellobby erträglich machte, die doch eigentlich in der Türkei lag.

„Leider ist unsere Mischmaschine kaputt“, weckte mich die Frau im Farbenladen und ich sah ihr an, dass es ihr wirklich leid tat. Meine Gesichtszüge entgleisten wohl ein wenig, woraufhin sie eine Mischstation in der Nähe des Flughafens Tegel für mich auftat, zu der sie meine Sandkombination faxte. Während ich also an einem dieser regnerischen Dezembertage durch die halbe Stadt fuhr, um in einem Gewerbegebiet zwei Eimer Farbe abzuholen, dachte ich: Ein Whirlpool für die Wohnung – das wärs eigentlich. Robert Ide

Der beste Farbenmischer von Berlin ist das Geschäft von Otto Kabisch, Paul-Robeson- Straße 9 in Prenzlauer Berg.

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