Was machen wir heute? : Farbstöpsel mit Bier kombinieren

Wie eine Westberlinerin die Stadt erleben kann

Ariane Bemmer

Die Freundin und ihr Kind, zu Besuch in Berlin, verlangten nach schnellem, günstigem Essen, und so schob ich uns durch die Tür einer kleinen irischen Kneipe namens Mrs Lovell.

Wir hockten uns in die Ecksofaecke, bestellten Camembert mit Toast und erblickten in einer anderen Ecke zu unserem großen Entzücken ein Spiel aus unserer Jugend: Mastermind! Erinnert sich jemand? Bei Mastermind muss man bunte Stecker in ein Feld stecken, dieses dann verdecken, und der andere muss durch magere Hinweise und schlaues Kombinieren herausfinden, welche Farbkombination die richtige ist. Spieldauer: 20 Minuten, stand auf der Verpackung. Erfunden 1970 von Mordechai Meirovitz, einem in Paris lebenden israelischen Telekommunikationsexperten, in der DDR erhältlich als Variablo (VEB Berlinplast) oder Super Code (VEB Plasticart). Steht im Internet.

Das Kind war schnell instruiert, es sollte allein gegen uns zwei Alte spielen, denn wir bauten unter Guinnesseinfluss logikmäßig schnell ab, und das Kind nähert sich der Blüte seiner geistigen Leistungsfähigkeit ja erst noch.

Es verdeckte seine Kombination, wir stießen an, steckten eine Farbreihe, bei der fast nichts richtig war, und überlegten. Der Camembert kam. „Bisschen schwarz“, sagte die Wirtin, ihre Fritteuse sei kaputt. Wir spülten die besonders rußigen Bissen mit dem nächsten Guinness runter und brüteten zunehmend dumpf über unseren Farbstöpseln. Mir verschwammen die kleinen bunten Punkte im schummrigen Kneipenlicht vor Augen, die Freundin konnte die kleinen Plastikteile auch nicht mehr gezielt greifen, immer wieder ging eins zu Boden, worüber wir uns jeweils toll amüsierten. Nur das Kind fing an, sich zu langweilen. Aus dem Augenwinkel sahen wir, wie es zum Guinness griff. Da rissen wir uns zusammen. Sieben Kombinationen brauchten wir am Ende bis zur Lösung. Peinlich. Das Kind war danach dran, es brauchte nur vier. Dafür musste es sofort ins Bett.

Mrs Lovell, Gneisenaustraße, Kreuzberg, lässt neuerdings keine Kinder mehr rein. Ha!

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