Was machen wir heute? : Fast kein Kleid kaufen

Ariane Bemmer

Das meiste im Leben ist eine Typfrage. Da steckt man in seiner Haut und kann nicht anders: Mannschafts- oder Einzelsport, Gulasch oder Pudding, tanzen oder am Türrahmen lehnen? Labern oder schweigen? Kaufhaus oder Boutique? Das sucht man sich doch nicht aus. Darauf ist man irgendwie festgelegt. Genetisch oder durch frühkindliche Prägung, wer was glaubt, ist ja auch wieder eine Typfrage, aber meistens kommt man mit sich und seinen Vorlieben ganz gut zurecht, weil man ja sich typgerecht einrichtet. Aber manchmal muss man dann etwas tun, was aus dem Typenraster fällt, und dann steht man dumm da.

Ich zum Beispiel habe zwar nie Handball gespielt, wie es sich für Mädchen mit ansatzweise vorhandenem Sozialsinn gehört hätte, sondern mich im Trampolinspringen verkämpft, aber beim Kleiderkaufen bin ich eindeutig der gesellige Typ, da bevorzuge ich das Kaufhaus. Hinter einer einzigen Tür ist alles im Überfluss, in tollkühnsten Farben und vielerlei Größen vorhanden. Man kann stundenlang von Garderobenständer zu Garderobenständer laufen und tausende Kleidungsstücke herausfingern, zum Spiegel schleppen, anprobieren oder fallen lassen, und das macht alles nichts. In Boutiquen dagegen, das sieht man schon von draußen, hängt immer nur eine Handvoll Kleider herum, es sind auch meist mehr Verkäufer als Kunden drin, das empfinde ich als bedrängend. Nun aber brauchte ich ein Kleid, ein richtiges, etwas Festliches für einen bestimmten Anlass. Also dachte ich, gehe ich doch gegen jede Typenlogik mal in eine Boutique. Aber in welche bloß! Da fängt es doch schon an. Ich lief kreuz und quer über den Ku’damm und durch alle seine Seitenstraßen und guckte in 2000 Schaufenster, aber hineingegangen bin ich dann doch in kein einziges Geschäft. Ich klagte mein Leid jedem, der meinen Weg kreuzte, und am Ende hielt mir jemand einen Modekatalog hin. Ratzfatz hatte ich ein schickes Kleid bestellt. Nun brauche ich nur noch Schuhe. Ich kenne da so einen Typen ... Ariane Bemmer

… und zwar Riccardo Cartillone, unter anderem am Savignyplatz 5.

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