Was machen wir heute? : Feldversuche

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Für den Frühling lächeln die Leute viel zu wenig, denke ich und fass’ mir an die eigene Nase. Um viele lächelnde Menschen zu finden, gibt es da für mich bestimmte Stationen, etwa den Britzer Garten, in dem die Spaziergänger offenbar auf Knopfdruck gute Laune kriegen, oder, allein schon des Namens wegen, den Lustgarten (die vielen Touristen dort sind sowieso immer gut drauf). Oder die Domäne Dahlem, das Freilandmuseum: Ständig ist dort was los, das Herrenhaus ist renoviert, und alles um mich herum strahlt um die Wette. Selbst die Tiere scheinen zu grinsen, Kühe und Pferde wirken wie geschniegelt, Schweine geben sich schmiegsam oder schläfrig, gar nicht widerborstig. An einem der aufgebauten Stände beiße ich ein wenig schuldbewusst in eine Bratwurst, wenigstens ist sie Bio. Vom weiten Feld her weht Landluft heran.

Immer, wenn ich auf der Domäne bin, denke ich an die FU, die hier mal ein großes Sportzentrum bauen und das Feld fast zubetonieren wollte. Der Versuch scheiterte an heftigen Bürgerprotesten, ein West-Berliner Glücksfall! Traktoren fahren mit Kindern übers Feld, die sind vor Aufmerksamkeit ganz still, lassen sich erklären, was hier so wächst und grast. Andere brüllen vor Vergnügen, rufen „cool“ beim Füttern der aufgeregten Hühner. Die Erwachsenen haben fast alle Beseeltes im Blick, sind mit sich und der Berliner Natur im Reinen. Mir geht’s auch so. Eine Domänenfrau drückt mir mit glänzenden Augen das Veranstaltungsprogramm des ganzen Jahres in die Hand.

Der Wochenend-Workshop „Rinder und Menschen“ erheitert und reizt mich ungemein, leider ist der Termin jetzt schon verstrichen. Aber die angekündigte Berliner Bratwurstmeisterschaft am nächsten Sonntag – die finde ich zum Anbeißen komisch. Ich bin ziemlich sicher, wieder viele frohe, lächelnde Gesichter zu sehen. Christian van Lessen

Am 20. Juni werden auf der Domäne an der Königin-Luise-Straße 49 in Dahlem übrigens 450 Jahre Herrenhaus gefeiert, dem „ältesten Berliner Wohngebäude mit lebendiger Geschichte“.

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