Was machen wir heute? : Filme nachbereiten

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Rechtzeitig zum Beginn der Berlinale möchte ich eine Warnung aussprechen, und diese lautet: Am Potsdamer Platz kann es keine Happy Ends geben. Jedes zarte Gefühl nimmt hier unweigerlich Schaden, Rückzugsorte zur Nachlese und Besinnung kommen nicht vor im Gebäudeplan.

Zwei Jahre lang habe ich am Potsdamer Platz Film studiert. Jedes Mal, wenn ein Seminar endete und das Trinken beginnen sollte, standen wir ratlos vor dem Filmhaus und wussten nicht wohin mit uns und unseren geselligen Absichten. Am nächsten lag das Billy Wilder’s, aber blieb uns mit seinen rot getränkten Wänden, den polierten Tischen und seinen Erlebniscocktails sehr fern und fremd.

Noch schlimmer war es, wenn ich einen Film gesehen hatte. Selten habe ich es geschafft, das Glück, das ein gelungener Film auslöst, unbeschadet über diesen zugigen, kalten Platz zu transportieren. Und egal wie schön, wie poetisch der Film war: An Orten wie dem „Haus der 100 Biere“ oder „Dunkin’ Donuts“ war seine Wirkung rasch verflogen.

Für die Berlinale heißt das, dass die Kinobesucher Fluchtpunkte rund um den unwirtlichen Platz kennen und diese nach den Filmvorführungen unverzüglich aufsuchen müssen. Tagsüber ist das die Terrasse der Deutschen Film- und Fernsehakademie (dffb) im neunten Stock des Filmhauses im Sony Center. Natürlich ist sie kein Aussichtspunkt, sondern vor allem Aufenthaltsort für Studenten, beim Mittagessen sollte man sich nicht vor sie drängen, aber die frische Luft hier oben ist für alle da.

Am Abend muss man noch etwas weiter gehen, um seine Filmgefühle in Sicherheit zu bringen, und zwar in Richtung Süden, in die Stadtklause. In dieser Kneipe sind die Wände holzgetäfelt und die Fenster aus buntem Glas, statt Cocktails gibt es Brotsuppe und jeder meiner Abende hier hatte ein Happy End. Verena Friederike Hasel

Bei der Berlinale gilt: Den Potsdamer Platz stets zügig verlassen, zum Beispiel in Richtung der Stadtklause in der Bernburger Straße 35 in Berlin-Kreuzberg, täglich ab 16 Uhr geöffnet.

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