Was machen wir heute? : Frauen loben

Susanne Kippenberger

Früher sah die Zukunft auch anders aus. Futuristischer. So wie das Ufo, das an der Spree gelandet ist: eine Pillendose auf Stelzen, eine ziemlich große Pillendose, in der man Kaffee kochen, schlafen und aufs Wasser gucken kann. „Futuro“, so heißt das Kunststoffhaus auch noch. Der finnische Architekt Matti Suuronen hat es sich vor 40 Jahren gleich als Serie ausgedacht, auf dem Gelände des DDR-Rundfunks steht Modell Nummer 13. Gefunden, gekauft und hier aufgestellt hat es die Filmausstatterin Cora Geißler (ein Vorgang, der hier nur ein paar Zeilen, in Wirklichkeit aber einige Jahre und Nerven gekostet hat).

Neulich habe ich einen Sonntagnachmittagsausflug zum Futuro gemacht, das man nach Voranmeldung besichtigen kann. Wenn es ein echtes Ufo gewesen wäre, hätten die Leute auch nicht mehr staunen können, über die Architektur (interessant, würde man beim Essen sagen, sehr spacig) ebenso wie über die Besitzerin, die ihre Freizeit damit verbringt, neugierigen Berlinern ihr Wochenendhäuschen zu zeigen, sie, unterstützt von ihrem Freund, mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen zu bewirten und sich um die Zukunft des Baus zu kümmern. In den nächsten Jahren wird die Pillendose nämlich vor allem Baustelle sein. Bei der Renovierung unterstützt wird Geißler von Münchner Museumskuratoren, hiesige Institutionen konnten oder wollten sich daran offenbar nicht beteiligen. Moderne Architektur hat’s schwer in Berlin.

Bis auch Sie das Futuro besichtigen können, wird es eine Weile dauern, erstens ist die Warteliste lang, zweitens fängt bald der Winter an. Damit Sie sich in der Zwischenzeit nicht langweilen, empfehle ich Ihnen den ultimativen neurotischen Kreuzberger Liebesroman zur Lektüre: Iris Hanikas „Treffen sich zwei“, der auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht. Der fängt an, fast wie Hollywood, dass man denkt: geht gar nicht, aber dann geht’s doch, und wie, mit viel Witz und Ironie und Liebe. Hinreißend. Susanne Kippenberger

Anfragen zur Ufo-Besichtigung per Mail an Futuro13@berlin.de. Iris Hanika, „Treffen sich zwei“, Droschl Verlag, 19 Euro.

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