Was machen wir heute? : Für Wäsche werben

Stephan Wiehler

Klein-Greta ist jetzt ein Fotomodell für Trikotagen-Reklame. Und das kam so: Bei Gretas Tagesmutter habe ich den Vater von Isabella kennen gelernt. Er heißt Ivar Ingvarsson, er kommt aus Island, er ist ein großer hagerer Mann mit blondem Haar und spricht deutsch mit eine wunderssöne isländisse Agsent. Ivar ist auf verschiedenen Geschäftsfeldern tätig, um seine Existenz im rauen Klima des Berliner Wirtschaftslebens zu behaupten. Er vermittelt zum Beispiel Immobilien an isländische Investoren. Berliner Immobilien kommen ja überall gut an, weil sie so spottbillig sind, zumindest aus Sicht internationaler Finanzjongleure. Außerdem arbeitet Ivar - glaube ich - in einem Café.

Vor einiger Zeit erzählte er mir, er habe eine Firma für Kinderwäsche aus Merinowolle gegründet. Gerade sei er dabei, Vertrieb und Marketing zu organisieren. Und Ivar fragte mich, ob Greta zusammen mit seiner Tochter Isabella für Werbefotos Modell stehen könnte – honorarfrei allerdings, denn die Firma stünde noch ganz am Anfang. Ich habe der Ausbeutung meiner eineinhalbjährigen Tochter natürlich sofort zugestimmt, schließlich muss man Unternehmensgründer in Berlin unterstützen, wo man kann. Greta ist außerdem ein bildschönes Kind, wer weiß, dachte ich, das könnte der Beginn einer ganz großen Model-Karriere werden.

Bevor es mit dem Foto-Shooting losgehen konnte, dauerte es allerdings noch Wochen, ehe Ivar die erste Muster-Kollektion aus Fernost erhielt. Als die Wäsche dann endlich eingetroffen war, konnte es auch schon fast losgehen. Nur einige Requisiten benötige man noch, ob es möglich wäre, ein paar Spielzeuge für den Fototermin auszuleihen, fragte Ivar – es sei eben eine Low-Budget-Produktion. Klaro! Zusammen mit seinem Partner holte Ivar aus unserem Kinderzimmer Schaukelpferd, Holzkinderwagen und Plüschtiere ab und lud sie in seinen Kofferraum.

Greta war übrigens sehr professionell. Ihre Werbefotos sind jetzt im Internet zu sehen, die Adresse: www.lopinn.is. Mehr Wirtschaftsförderung kann dieser Ivar honorarfrei wirklich nicht von mir verlangen. Stephan Wiehler

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