Was machen wir heute? : Fußball gucken

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Für die Kinder beginnt jetzt eine harte Zeit. Hallo, werden Sie sagen, was soll denn das? Geht der Weihnachtsmann am Haus dieser armen Familie vorbei? Müssen sie Silvester die große ARD-Show schauen? Nein. Das Schicksal, das den Kindern droht, ist noch viel härter: Die Bundesliga macht Winterpause.

Drei lange Wochen müssen Tom und Linda jetzt überstehen. Das ist schwer. Denn beide leben nach dem Motto, das die deutsche Fußballnationalmannschaft 1974 in Liedform und dann in die Hitparade brachte: „Fußball ist unser Leben!“

Auch bei uns regiert König Fußball – und das rund um die Uhr. Fußball ist Gesprächsthema Nummer eins am Esstisch („wann schmeißt Werder endlich den Schaaf raus?“), Bestechungswährung (zwei Champions-League-Sammelkarten pro Arztbesuch), Lieblingsgeschenkwunsch zu Weihnachten (Stadionkarten, Trikots) und Top-Fernsehprogramm. Jeden Samstag um 15.30 Uhr sind Tom und Linda live im Stadion, und zwar in allen gleichzeitig. Seitdem der Junge zur Konfirmation ein Abo des Fußballsenders Sky bekommen hat, besetzen sie zur Bundesligakonferenz das Wohnzimmer. Linda kommentiert die Spiele, Tom führt Statistik. Dann geht es weiter mit der Fußballshow auf Sky und Fußballorakelhund Anelka, der anhand seiner Fressnäpfe vorhersagt, wie die nächste Partie ausgeht.

Leider läuft Fußball nicht nur am Samstag, sondern auch am Freitag, am Sonntag und am Montag. Manchmal auch am Dienstag oder Mittwoch, wenn deutsche Teams im internationalen Wettbewerb antreten. Das ist viel, ich finde zu viel.

Wird die Besessenheit ein Ende haben? Neulich schöpfte ich Hoffnung, als die Kinder über die Vergabe der Fußball-WM an Katar schimpften und einen Boykott der Spiele erwogen. Doch dann sah ich vor den Fressnäpfen unseres Katers etwas liegen – das Schalke- und das Bayern-Wappen. Sie hatten ihn als Orakel befragt. Und ich wusste, der Wahnsinn hat kein Ende. Heike Jahberg

Der nächste Spieltag ist am 14. Januar

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