Was machen wir heute? : Gassi gehen

Andreas Austilat

Ich schwöre, es hat sich genau so zugetragen: Ich sitze in einer Konferenz, das Handy klingelt. Der Chef guckt unwillig. Meine Frau ist am Apparat. „Ich muss dich was fragen“, sagt sie. „Passt gerade schlecht“, flüstere ich. „Ist aber wichtig, wir müssen was entscheiden“ – „Ich ruf zurück.“ Leider habe ich das dann vergessen. Was ich nicht wusste: Meine Frau hat aus dem Tierheim angerufen. Sie hat dann allein entschieden.

Seitdem haben wir einen Hund. Wegen der Kinder, heißt es. Vor allem wegen der Kleinen, die ist jetzt zwölf. Wenn wir uns jetzt keinen Hund anschaffen, wann dann, hat meine Frau gesagt. Weil, irgendwann ist unsere Tochter 20 und dann zieht sie aus und braucht auch keinen Hund mehr. Es handelt sich übrigens um einen Terriermix, sieht ganz nett aus.

Ich mag eigentlich keine Hunde, ich bin sogar bekannt dafür. Früher habe ich jeden Hundehalter auf der Straße angesprochen, wenn sein Tier auch nur Anstalten machte, sich hinzuhocken. „Na, Tütchen dabei“, habe ich dann gefragt. So ein Hund polarisiert ja ungeheuer. Ich glaube, wenigstens einer unserer Nachbarinnen mag auch keine Hunde. Jedenfalls habe ich den Eindruck, sie grüßt mich nicht mehr. Oder macht sie einfach nur einen großen Bogen um uns?

Der Hund heißt übrigens Duffy. Immer, wenn ich nach Hause komme, kommt Duffy mit wehenden Ohren angerannt, springt an mir hoch und freut sich wahnsinnig. Nicht, dass ich mir wünschen würde, dass Frau, Sohn oder Tochter an mir hochspringen. Aber diese unbändige, rückhaltlose Freude, das hat schon was.

Hundebesitzer erholen sich übrigens schneller nach Herzanfällen, sind gesünder, kontaktfreudiger und selbstbewusster. Stand neulich in der „NZZ“. Das soll auch für Kinder gelten, die in Familien mit Hund aufwachsen, haben die Forscher des Zürcher Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung herausgefunden. Kontaktfreudiger! Das mit der Nachbarin renkt sich bestimmt wieder ein. Andreas Austilat

Bei Ikea gibt es sogenannte Gassitüten von der Rolle für einen Euro

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