Kultur : Was machen wir heute?: Geld sparen

Sigrid Kneist

Ich bin bestimmt nicht knauserig. Ob durch den Euro das eine oder andere ein paar Cent teurer wird oder nicht, ist mir relativ egal. Ein Gefühl für die neue Währung will ich dennoch bekommen. Deswegen zwinge ich mich dazu, mir bei jedem Einkauf die Summe in Mark klarzumachen, um die Relationen zu begreifen. Auf dem Markt hatte ich aber letztens den Eindruck, als ob der Händler aus Versehen alle Waren in Mark statt in Euro ausgezeichnet hatte.

Der freundliche Gemüsemann hatte sich leider nicht geirrt, die Preise waren wirklich exorbitant. Das Kilo Cherry-Tomaten lag bei 9,99 Euro, ein winziges Bund Rucola bei 1,99 Euro. Und die Gurke sollte tatsächlich 3 Euro kosten. Also 6 Mark, für eine grüne Gurke, die doch hauptsächlich aus Wasser besteht und gemeinhin für nicht einmal einen Euro zu haben ist. Nicht zu fassen. Aus dem freundlichen Gemüsemann war natürlich nicht von einem Tag auf den anderen ein Wucherer geworden. Wegen der Kälte Anfang des Jahres und der deswegen vermasselten Ernten in Südeuropa sind die Preise zurzeit überall hoch.

Die Gurke liegen lassen, das kann ich nicht: Nichts liebt Charlotte derzeit mehr als Pausensnack. Dann werden wir eben woanders sparen. Am besten so, dass es sich nicht bemerkbar macht. Ein Kindermusical kann ich zwecks Rezension mit Freikarten für mich und Charlotte besuchen - kleines Journalistenprivileg. Auf den Besuch bei unserer Lieblingsfriseurin Anke brauchen wir auch nicht zu verzichten. Im Familienpass habe ich entdeckt, dass dort ein Freicoupon für einen Kinderhaarschnitt in genau diesem Friseurladen enthalten ist. Das trifft sich prächtig. Bei einem Mal Haarschneiden haben wir den Preis für den Familienpass (5 Euro) schon raus. Unseren nächsten gemeinsamen Termin bei Anke werden wir also besonders genießen. Wenn mein eitles Kind strahlend auf dem Höckerchen sitzt und gebannt im Spiegel die Arbeit der Schere verfolgt, während mir sanft massierend die Haare gewaschen werden, dann werde ich darüber sinnieren, wie schön es ist, Luxus zu genießen und dabei sogar zu sparen.

Kino fällt ebenfalls nicht aus. Wir meiden nur die teuren Multiplex-Häuser. Kinder vermissen eine flimmerfreie Leinwand oder ein raffiniertes Soundsystem nicht. So hatten wir beide neulich im Regenbogenkino in Kreuzberg einen tollen Nachmittag. Für mich war es außerdem ein Ausflug in die Vergangenheit, in alte Hausbesetzerzeiten. Das Kino hat seine Räume in einer ehemaligen Chemiefabrik, die 1981 besetzt wurde, und wird nach wie vor von einem Kollektiv betrieben. Exakt wie damals sieht es heute noch aus: Man kann sich wunderbar in alte Sofas und Sessel kuscheln. Der Eintritt kostet für uns beide 4,50 Euro, woanders hätten wir glatt das Doppelte gezahlt. Auch die Preise für Schokolädchen sind passabel. Nur schade, dass es keine Gurke zu knabbern gibt. Leisten hätten wir sie uns ja können.

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