Was machen wir heute? : Geld zählen

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In Geldangelegenheiten geht es bei uns drunter und drüber – zumindest, was das Taschengeld betrifft. Andere sind seit der ersten Klasse perfekt organisiert, dem Einstiegsalter zum Empfang wöchentlicher Barschaften. Bei Jan und Josefine aber hat sich auch im neunten Lebensjahr noch keine Routine eingestellt. Meist vergessen sie, ihren Euro einzufordern. Und wenn ihnen der Zahltag doch einfällt, dann verlieren sich die Rückstände im Vagen. Selbst das Führen von Listen in einem eigenen Heft hat keine Verbesserung erbracht. Dann vertrödeln die Junior-Buchhalter eben ihre Kladden.

So viel Lässigkeit im Finanzgeschäft lässt vermuten, dass diese Kinder geldlos glücklich sind. Mitnichten. Jan und Josefine wissen die Freuden eines gut gefüllten Portemonnaies zu schätzen. Ihre größte Wonne besteht darin, Münzen zu stapeln und Scheine zu glätten. Beide wissen auf Cent und Euro genau, wie viel sie besitzen. So war es der schönste Moment, die zur Erstkommunion empfangenen Geldgeschenke auf die Bank am Bayerischen Platz zu tragen und Konten zu eröffnen. Aber auch das ist halb vergessen. Nur dann und wann, wenn Jan und Josefine wie etwa zu Weihnachten einen Schein geschickt bekommen, fällt ihnen ihr Konto wieder ein und werden die Ersparnisse aufgestockt. Beim letzten Zeugnis kam nochmals ein Sümmchen hinzu, auch wenn der Opa seine Spende mit dem Kommentar „für die schöne Zeugnismappe“ überreichte.

Als aufgeklärte Eltern wissen wir, dass pekuniäre Belobigungen pädagogisch fragwürdig sind. Ebenso der Satz „Sonst wird das Taschengeld gestrichen“, worauf sich Jan und Josefine noch mehr über unsere Erziehungsmethoden amüsieren. Dabei gilt Taschengeld als ideales Instrument, um für das „Erwachsenenleben“ zu üben, wie es im Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik heißt. Jan hat das längst internalisiert. Nur mit Mühe ist er davon abzubringen, zur Entlastung der Haushaltskasse Schulbeiträge oder Eintrittsgelder selbst zu zahlen. Das übernehmen wahrhaftig die Eltern. So viel Klarheit in Gelddingen besitzen wir denn doch. Nicola Kuhn

www.familienhandbuch.de

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