Was machen wir heute? : Geschenke verschicken

Wie eine Rentnerin die Stadt erleben kann - Gedanken machen über die ersten Weihnachtsgeschenke und deren Transport mit der Post.

Brigitte Grunert

Nun beginnt es schon nachmittags zu dunkeln, vorbei ist die schöne Sommerzeit, am Sonntag werden die Uhren umgestellt. Und wieder erinnern die offenbar unvermeidlich frühen Weihnachtsdekorationen in den Geschäften aufdringlich daran, dass man sich den Kopf über Geschenke zerbrechen soll.

Doch mit den Geschenken ist es so eine Sache. Was passt zu wem? Worüber würde sich wer wirklich freuen? Überraschungen sind riskant, über Geschmack lässt sich streiten. Kinderwünsche zu erfüllen ist ja kein Problem, doch je älter die Leute sind, umso schwieriger ist es, etwas Brauchbares für sie zu finden. Unsereiner freut sich am meisten über jeden Besuch, der keinen voluminösen Blumenstrauß mitbringt. Mit einem Sträußchen oder einer einzelnen Blume tut man älteren Menschen einen größeren Gefallen, einfach deshalb, weil sie an großen Vasen schwer zu schleppen haben.

Andere mögen mit Begeisterung stundenlang shoppen gehen, die Rentnerin findet das langweilig, reine Zeitverschwendung, das macht nur kreuzlahm. Neulich hatte sie Glück. Ein Geburtstagsgeschenk für die Nichte war fällig, und genau das Richtige lachte sie im Schaufenster eines hübschen kleinen Ladens im Vorbeigehen an. Gesehen, entzückt, gekauft, erledigt – wunderbar.

Für die wahre Überraschung sorgte allerdings die Post. Da die Zeit drängte und der große wattierte Briefumschlag mit dem federleichten Geschenk bis zum Sonntag in Dortmund sein sollte, fragte sie am Schalter, ob es denn noch die Zustellung per Eilboten gebe. Die Postangestellte sah sie verständnislos an. Klar, längst ausgemustert, war ja auch erschwinglich für die Kundschaft. Express heißt das jetzt und ist purer Luxus. Die Frau rechnete also die Gebühren mit Sonn- und Feiertagszuschlag und Aushändigung an den Empfänger gegen Unterschrift aus. „Ich traue mich gar nicht zu sagen, was das kostet“, meinte sie dann etwas verschämt. „Es wären 59,40 Euro.“ Die Rentnerin konnte bloß lachen. Sie verzichtete und zahlte 4,40 Euro. Na, der Post geht’s wohl danke, dachte sie.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben