Was machen wir heute? : Geschlechter trennen

Stephan Wiehler

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen. Die Wege der Geschlechter trennen sich so früh im Leben, dass wir später gender mainstreamen können, soviel wir wollen – da ist nur noch wenig auszubügeln. Ein Vater-Kollege schrieb neulich an dieser Stelle, dass sein Sohn zu seinem neunten Geburtstag kein Mädchen einladen wollte. „Wir machen nie was mit den Jungs“, sagt Emma, unsere Achtjährige, „die wollen nur Fußball spielen und haben nichts als Star Wars im Kopf.“ – „Und was macht ihr so in den Pausen?“, frage ich. „Wir Mädchen unterhalten uns – oder wir ärgern die Jungs.“

Meine Frau sagt immer, ich höre ihr nicht zu oder gebe Antworten auf Fragen, die sie nicht gestellt hat. Ich finde, sie spricht manchmal undeutlich, was Missverständnisse begünstigt.

Eine strenge Geschlechtertrennung wäre eine Alternative, die allerdings das Demografieproblem weiter verschärfen würde. Dann müssten wir künftig Nachwuchs importieren. Kinder vom Inder, so ähnlich hatte das doch mal der CDU-Genderexperte Jürgen Rüttgers vorgeschlagen, oder?

Es gibt aber noch Jungen und Mädchen, die Interesse am anderen Geschlecht zeigen. Das macht Hoffnung, dass Frauen und Männer auch in Zukunft außerhalb gesetzlich quotierter Zirkel miteinander auskommen. Klein-Greta findet zurzeit Gefallen an der Gesellschaft größerer Jungs aus ihrer Kita. Zuerst kam Daniel zu uns, jetzt hatte sie Besuch von Dominic. „Er ist aber nur ein Freund“, stellte unsere Vierjährige klar.

Und mein Freund Fredrik berichtete, sein Sohn Jesper trage gerne rosa Kleidchen und habe sich sehnlichst ein Lillifee-Fahrrad gewünscht. Er bekam aber ein blaues Jungsrad. Ich denke, echte Geschlechtergerechtigkeit wird erst hergestellt sein, wenn Männer auch in rosa Kleidern als DAX-Vorstände respektiert werden. Stephan Wiehler

Öffentl. Ringvorlesung „Arenen der Männlichkeit“, mittwochs 18-20 Uhr an der Technischen Universität, Raum H 1012 im Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135. Am 25. Mai spricht Prof. Anne Fleig zum Thema „Der Sportler als Männlichkeitsentwurf der Moderne“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben