Was machen wir heute? : Gesicht zeigen

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann

Sigrid Kneist

Manche Einladungen verursachen ein komisches Gefühl. Und lassen einen zögern, sie guten Gewissens anzunehmen. Soll man oder soll man nicht? Ich hatte letztens eine solche Einladung, bei der ich unschlüssig war. An der Absenderin lag es nicht; es war eine langjährige Freundin, der ich nie etwas Böses unterstellen würde. Es handelte sich zwar nicht um eine irgendwie unmoralisch geartete Offerte, aber eben auch nicht um so etwas Handfestes wie ein tolles Essen. Sie lud mich dazu ein, sie auf ihrer Facebook-Seite zu besuchen und dort im virtuellen Leben ihre Freundin zu werden. Bei solchen Portalen im Netz bin ich sehr besorgt, wer dann was mit meinen Daten anstellen kann. Aber in diesem Fall siegte die Neugier, ich meldete mich an.

Charlotte kann es kaum fassen, als ich ihr davon erzähle. Das hätte sie mir nicht zugetraut. Denn kommunikationstechnisch gelten mein Mann und ich nach wie vor als Dinos. Meine Skrupel versteht sie allerdings noch viel weniger. Für sie als 13-Jährige ist die Internet-Community beispielsweise von SchülerVZ Teil ihres Lebens. Wesentlich scheint mir dabei, so viele Freunde wie möglich zu sammeln. Durch Ballett, Urlaubsbekanntschaften, Familie, Schule und Konfirmandenunterricht kommt sie inzwischen auf 150 Kontakte. Liebevoll pflegt sie ihre Fotoalben. Wenn ich besonders freundlich frage, lässt sie mich hin und wieder mal einen Blick darauf werfen. Ins SchülerVZ haben Eltern sonst keinen Zutritt. Bislang habe ich auch keinen Grund zur Besorgnis.

Natürlich wollte Charlotte auch meine Facebook-Seite betrachten. Das war für sie eine echte Enttäuschung. Über die Anmeldung bin ich bisher nicht hinausgekommen. Allerdings habe ich schon eine weitere Freundin, die mich auf Facebook entdeckt hat. Meine Tochter findet diesen Internet-Auftritt leicht blamabel und will sich sofort daran machen, die Seite zu gestalten. Aber brauche ich als Dino das eigentlich? Sigrid Kneist

Auf www.facebook.com kann sich jeder für die Community registrieren. Zu SchülerVZ können Sie sich von ihrem Kind einladen lassen.

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