Was machen wir heute? : Glamour

Plümper

Glamour? Du? Für so etwas interessierst du dich doch nicht, meint der Künstlerfreund. Na, dann interessiere er sich eben nicht dafür, meint der Rentner. Aber seine Frau glaubt, doch, das interessiere den Rentner. Also interessiert sich der Rentner.

Und wirklich gleich das erste Bild lässt ihn staunen. Nikolaus Sagrekov hat 1928 eine Sportlerin dargestellt: In leichter Untersicht gemalt, steht sie breitbeinig, stark, mit etwas dicken Knien da und sieht den Betrachter an. So stehe nie eine Frau, das sei eine typische Männerhaltung, meint des Rentner Frau, selbst eine Sportlerin. Na, ja, vielleicht sei sie eine Kugelstoßerin, meint der Rentner. Na, dann habe sie aber das falsche Bein vorne, sagt die Expertin. Will Baumeister abstrahiert eine „Läuferin“ zu einer absolut windschnittigen Figur mit einem Männerkopf. Ganz anders wirkt „Speedy“, die Frau von Rudolf Schlichter, in einem seltsamen Zipfelkleid mit ihren Knopfstiefelchen, von deren sexueller Faszination Schlichter in seiner Autobiografie frappierend genau berichtet. Ihr Blick scheint fast verachtungsvoll. Die Bilder in der hohen Atelierhalle zeigen Frauen als eigenständige, selbstbewusste Persönlichkeiten. Glamour gibt es allein in den Bildern von Tamara de Lempicka.

Repräsentative, stilisierte, vor der Kamera entworfene, erotische Oberschicht-Schönheiten, eben Glamour, zeigen die Plakate und Fotos der Filmstars der 20er und frühen 30er Jahre im verdunkelten Obergeschoss: Brigitte Helm, Lil Dagover, Marlene Dietrich, Lilian Harvey. Auf den Plakaten wirkten die Stars eher wie junge Mädel von nebenan, auf den Fotos dagegen wie Vamps, irgendwie für Männer gefährlich, wenn nicht sogar männermordend, meint der Rentner. Des Rentners Frau will davon nichts wissen, sie sehe auch hier nur Emanzipation und Selbstbewusstsein. Plümper

Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, „Glamour! Das Girl wird feine Dame - Frauendarstellungen in der späten Weimarer Republik“, 17.2. bis 12.5., Di bis So. 10 - 17 Uhr

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