Kultur : Was machen wir heute?: Halloween feiern

Heike Jahberg

Es gibt Filme, die sollte man sich besser nicht anschauen. Zumindest dann nicht, wenn man schwache Nerven und ein gutes Gedächtnis hat. Ich bezahle für diesen Fehler noch heute, denn: Ich habe Angst vor Gespenstern.

Bald ist es wieder so weit. Dann kommt Halloween, mein ganz persönlicher Schicksalstag. Wenn der Oktober zu Ende geht und die Gespenster aus ihren Gräbern steigen, um an unserer Haustür Süßigkeiten abzupressen, muss ich all meinen Mut zusammennehmen. Denn man weiß nie, wer im dunklen Hausflur steht.

Meist sind es ja süße Hexen oder prachtvoll geschmückte Zauberer, hinter denen ich unschwer die Kinder aus der Nachbarschaft erkennen kann. Vor denen habe ich natürlich keine Angst. Ganz anders die Maskierten. Wie zum Beispiel die Riesenfliege. Jahr für Jahr erschreckt sie mich mit ihrer billigen Kaufhausmaske zu Tode. Spricht kein Wort, sieht mich nur lauernd an und erscheint bevorzugt in Begleitung ihres - ebenfalls maskierten - Kumpels, dem Sensenmann. Mit den üblichen Ritualen halten sich diese Monster nicht lange auf. Die kleinen Zombies halten wortlos ihre Taschen hin. Und ich schaufele nervös Schokolade und Gummibärchen hinein, um sie möglichst schnell wieder loszuwerden.

Denn jedes Jahr treibt mich die Furcht um, dass sie dieses Mal vielleicht nicht wieder gehen. Und dass sich hinter den Masken keine lausbubenhaften Jungsgesichter verbergen, sondern zwergenhafte Killervisagen. So wie in John Carpenters Film-Klassiker "Halloween", wo die couragierte Jamie Lee Curtis dem Mördermaniac am Ende die Maske vom Gesicht reißt, nur um festzustellen, dass dieses genauso aussieht wie die Maske. Grauenvoll. Oder man denke an Cronenbergs "Die Fliege", wo sich der arme Jeff Goldblum unrettbar in ein widerliches Rieseninsekt verwandelt. Schauderhaft.

"Dann lass doch die Tür zu", werden Sie sagen. Geht aber nicht. Denn wir wohnen in einer Gegend, die von amerikanischem Kulturgut geprägt ist. Das liegt nicht nur an den vielen US-Nachbarn, die in unserer Straße wohnen, sondern auch unter den deutschen Mietern gibt es eine große Vorliebe für amerikanische Traditionen. Und so schmücken wir Jahr für Jahr die Hausflure mit schaurigen Spinnennetzen, und die Kinder schwingen ihre Hexenbesen und Zauberstäbe. Und wer den Geistern die Türe nicht öffnet, wird bestraft. Ein ekliges Ei, das von unserem Türrahmen auf den Boden tropfte, hat uns schon vor Jahren der Illusion beraubt, wir könnten uns dem Spuk verschließen.

Mal sehen also, wer dieses Jahr auf unserer Schwelle stehen wird. Der Fliegenmann, der Totengräber - oder als Steigerung des Schreckens - kleine Turbanträger mit grauen Bärten. Ihr alle seid hiermit gewarnt: Jetzt werde ich mich wehren. Schokolade gibt es bei uns ab sofort nur noch für Hexen, Elfen und Zauberer.

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