Was machen wir heute? : Helden im Schnee

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Ein älterer Kollege aus dem Kulturressort beklagte neulich, wie die riesige Rodelbahn und die Weihnachtsmarktbretterbuden den Potsdamer Platz verschandelten. Man dürfe doch nicht zulassen, dass ein Skiort aus den österreichischen Alpen, Saalbach nämlich, so aufdringlich für sich werbe. Nun sehen die Kulturkollegen den Potsdamer Platz in der Regel überhaupt nicht als relevanten Ort an. Warum ihnen dann die Rodelbahn nicht schnurz ist, erschließt sich mir nicht ganz. Ökologisch ist der Kunstschnee totaler Unsinn, keine Frage. Aber vielleicht haben ja auch die Kollegen von der „Süddeutschen Zeitung“ recht, wenn sie, wie gerade geschehen, für einen neuen Hedonismus plädieren, der den Spaß über das schlechte Gewissen stellt, jedenfalls manchmal. Leo kennt das Wort zwar nicht, aber einen hedonistischeren Achtjährigen gibt es vermutlich nirgendwo. Und die Rodelbahn findet er absolut klasse. Wir fahren manchmal dran vorbei, weil die Tagesspiegel-Redaktion ganz in der Nähe ist. Übrigens mussten die Kollegen von der „Süddeutschen“ in München in ein Gewerbegebiet umziehen; vielleicht erklärt sich ihr Hedonismus aus der Sehnsucht nach der Stadt. Leo möchte jedenfalls unbedingt die Rodelbahn runterrocken. Das hat er schon in zwei früheren Wintern ausprobiert, dabei unheimlich gefroren, sich ein bisschen gefürchtet und am Ende aber als Held gefühlt. Immer wieder. Daran führt auch diesen Winter kein Weg vorbei. Vorher können wir ja in die neue Skulpturenausstellung im Neuen Museum gehen, wo die Fundstücke der Ausgrabungen vor dem Roten Rathaus zu sehen sind. Leo hat sich die Fotos schon im Tagesspiegel angeschaut. Im Kulturteil. Moritz Döbler

Die Rodelbahn auf dem Potsdamer Platz verlangt pro Ritt auf einem Lkw-Schlauch 1,50 Euro. Vier Mal kosten fünf Euro, zehn Mal zehn Euro. Die Ausstellung im Neuen Museum auf der Museumsinsel zeigt elf wiederentdeckte Skulpturen, die von den Nazis als „Entartete Kunst“ verfemt worden waren. Kinder haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen zehn Euro, ermäßigt fünf. Am besten reserviert man im Internet unter www.neues-museum.de.

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