Kultur : Was machen wir heute?: Hufe kratzen

Sigrid Kneist

Mit der Hygiene ist das so eine Sache. Mit der richtigen Fußpflege zum Beispiel. Ständig liest man eklige Berichte über den Befall der deutschen Füße mit irgendwelchen Pilzen, die so hartnäckig und schwer zu bekämpfen sind. Sogar der brasilianische Starspieler von Hertha BSC, Alex Alves, soll vor einiger Zeit dermaßen darunter gelitten haben, dass er nicht mehr in der Lage war, die nötigen Tore zu schießen. So weit muss es nicht kommen. Da kann man vorbeugen. Schließlich gab es vor kurzem den Tag der Fußpflege. Den hat wahrscheinlich außer ein paar Apothekern und Journalisten, die selbst die letzte Pressemitteilung lesen, nur niemand mitbekommen.

Wie vermittelt man es aber Kindern, ihre Füße anständig zu pflegen? In der Regel sehen sie ja nicht mal ein, dass sie sich die schwarzen Füße waschen müssen, wenn sie den ganzen Tag barfuß draußen rumgerannt sind. Und sie mögen es überhaupt nicht, wenn man mit Argusaugen darauf achtet, dass nach dem Schwimmbadbesuch zwischen den Zehen ordentlich abgetrocknet wird, damit sich nicht die Pilzteufelchen dort festsetzen können. Äußerst unbeliebt ist auch das Schneiden der weichen Zehnägel, die mit der Schere oft so schwer zu fassen sind. Ich möchte wetten, dass das in neun von zehn Fällen zu kleinen Dramen im Badezimmer führt.

Dabei sind Kinder bei anderen Lebewesen ganz jeck darauf, die unteren Extremitäten zu hegen. Bei Pferden zum Beispiel. Den Gaul striegeln, Mähne und Schweif auskämmen - nun gut, das machen sie, weil es schließlich sein muss. Die Pferdebeine mit der Wurzelbürste zu bearbeiten, ist schon besser, da nähern sich die Nachwuchsreiter dem wahren Objekt ihrer Begierde. Denn der absolute Höhepunkt des Pferdeputzrituals ist das "Hufemachen". Das können Sie in jedem Reitstall beobachten. Um Striegel und Kardätsche würden sich auch die Kinder aus der Voltigiergruppe unserer Tochter Charlotte nie zanken, aber bei den Hufkratzern gibt es durchaus Tränen. Kein Kind, das nicht gerne dem treuen Larry mal den Dreck aus den Hufen wegpulen möchte. Selbst die Jungen, die im Reitstall ziemlich in der Unterzahl sind, sind leidenschaftliche Reiniger. Am beliebtesten sind komischerweise die hinteren Hufe: Da soll am meisten drin stecken, darin sind sich die Kinder einig.

Leider hat Larry nur vier Beine und Hufe, und acht Kinder wollen kratzen und bürsten. Das ist ein echtes Problem. Inzwischen lässt die Voltigierlehrerin jedes Kind nur einen halben Huf bearbeiten, dann muss gewechselt werden. Mit wachsamen Blicken schaut die ganze Gruppe zu, dass ja keiner dem Nächsten zu viel Dreck wegkratzt. Wenn die Hufe denn gar nichts mehr hergeben, kann die Stunde beginnen. Aber wissen Sie, was das Beste daran ist? - Richtig. Anschließend können wieder Hufe gemacht werden. Bei soviel liebevoller Pflege wird Larry bestimmt nie Hufpilz bekommen.

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