Kultur : Was machen wir heute?: Hunde frisieren

Katja Hübner

Der Mensch ist auf den Hund gekommen. Und das bereits seit langem. Genauer gesagt, hat es die Verbindung des Menschen zum Hund schon in prähistorischer Zeit gegeben. Dagegen ist nichts einzuwenden, wäre es nicht mittlerweile manchmal so, dass die Affinität zum Hund die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Schatten stellt. So ist eine Bekannte von mir beispielsweise extra wegen ihres neu zugelegten Windhundes Scharik aufs Land gezogen, in einen Ort bei Berlin. Dadurch braucht sie zwar nun jeden Morgen eine Stunde länger zur Arbeit, aber das nimmt sie zu gern in Kauf, zumal sie sich jedes Mal darüber freut, dass er sich freut, wenn sie nach Hause zurück kommt. Überhaupt nimmt diese Partnerschaft Mensch-Hund manchmal seltsame Formen an. So sagte meine Bekannte, als sie neulich zum ersten Mal das Baby ihrer Kollegin betrachtete, versehentlich, dafür aber mit besonders sanfter und fürsorglicher Stimme: "Ach, bist du ein schöner Hund."

Nun kann man Vermutungen darüber anstellen, woher die Hundeliebe kommt. Vielleicht hat man als Kind zu viele gute Bücher über die treuen Gefährten gelesen, etwa "Die fünf Freunde" oder "Geheimsache Hund" - sicher hat auch Lassie Schuld an dem frühzeitigen Wunsch nach einem vierbeinigen Spielfreund. Mag aber auch sein, dass man keinen Partner hat und nicht weiß, wohin mit seiner Liebe. Ein Single, der sich einen Hund anschafft, verzichtet nicht gänzlich auf die Zweisamkeit. Und wenn dann doch jemand in sein Leben treten sollte, wird er garantiert mit der Forderung auf die Probe gestellt: "Wenn du mich liebst, musst du meinen Hund auch lieben." Möglicherweise aber sehen die Menschen in dem Hund einfach nur das Tier, das ihnen am meisten ähnelt. Warum sonst hätte Michail Bulgakow in seinem Roman "Hundeherz" den Menschen in einen Hund verwandeln sollen? Der Mensch, wusste Bulgakow, lebt im Grunde ein Hundeleben, und vielleicht deshalb liebt der Mensch den Hund so sehr.

Aber die Hundeliebe hat auch ihren Preis. Denn natürlich muss ein Hund auch manchmal zum Friseur. Den Pony schneiden (Pekinese), das Fell stutzen (Foxterrier), sich trimmen lassen (Pudel). Dafür gibt es in einer typischen Hundestadt wie Berlin mit immerhin 103 000 steuerzahlenden Hunden einige Möglichkeiten, meine Bekannte aber schwört auf Lehmanns Heimtierbedarf und Hundesalon. Hier sei es so "menschlich".

Tatsächlich kümmern sich Herr und Frau Lehmann, die seit mehr als zwanzig Jahren in diesem Geschäft arbeiten, besonders rührend um ihre Kundschaft. Und wenn Hundeliebhaber auf Hundeliebhaber treffen wollen, ist Lehmanns Laden ein geeigneter Ort. Denn dort versichern unter anderem zwei "zuverlässige Hundefreundinnen", dass sie für fünf Mark "ihrem Hund mit einem Spaziergang einen schönen Nachmittag" bereiten werden. Ein Angebot für alle Hundebesitzer, die inzwischen keine Singles mehr sind.

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