Was machen wir heute? : Hunden begegnen

Susanne Kippenberger

Ich habe keinen Hund, ich hatte keinen Hund, ich werde keinen Hund haben. Damit scheine ich allmählich einer Minderheit anzugehören. Früher waren Hunde was für Spießer: Pudel, Dackel, Schäferhund. Die sind in Deutschland praktisch ausgestorben (oder nach Japan ausgewandert), dafür schafft sich der Modebewusste von heute eine Promenadenmischung oder ein Rassewesen an.

Früher hatte man einen Hund und fertig. Heute muss die ganze Welt davon erfahren. Vor ein paar Jahren schrieben alle schreibenden Mütter Bücher darüber, wie es ist, Mutter zu sein. Letztes Jahr waren die Väter dran. Jetzt scheinen die Hundebesitzer zu kommen. In den Verlagsprogrammen für den Herbst habe ich gleich mehrere Bücher zum Thema gefunden: Mein Leben mit Hund. Es gibt auch Krimis mit Hund, und natürlich längst eine Hochglanzzeitschrift, aus dem Hause Gruner und Jahr, „dogs“ heißt sie.

Letzte Woche war ich bei einer Lesung, da hatte die Schriftstellerin ihren Vierbeiner mitgebracht, ein Tier, fast größer als sie, auf jeden Fall lauter. Kaum fing sie an zu lesen, begann er zu meutern. So viel Aufmerksamkeit gönnt er Frauchen wohl nicht. Ich war auch schon bei Lesungen, wo das Publikum mit Hund kam. Aber welches Tier interessiert sich schon für die Kölner Kunstszene der 80er Jahre? Also kriegt es das Maul lautstark mit Leckerli gestopft: „Pscht, Bella, brav, Bella ...“ Kein Wunder, dass Haustiere immer fetter werden, wie die Zeitungen letzte Woche meldeten. Sie liegen bei zu vielen Lesungen herum. Und werden wahrscheinlich mit Süßigkeiten von „Callas Goodies“ verwöhnt, der „ersten Hundeläckerei Deutschlands“: „Auf Wunsch backen wir für Ihren Vierbeiner Geburtstagskuchen und Leckerli für Allergiker.“

„A dog is a dog is a dog“ steht überm Eingang dieses Schöneberger Feinkostladens. Wenn die Leute sich das doch nur zu Herzen nehmen würden. Tier ist Tier und Mensch ist Mensch. Susanne Kippenberger

Noch sind Museen hundefreie Zonen. Gehen Sie doch mal wieder in die wunderbare Gemäldegalerie am Kulturforum.

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