Was machen wir heute? : In Berlin bleiben

Nicola Kuhn

Es gibt Menschen, die in den großen Ferien eigens nicht verreisen und zu Hause bleiben. Denn nie soll die Stadt schöner sein als in diesen Sommerwochen, wenn laue Lüftchen wehen und die Parkplatzsuche wie im Nu vergeht, weil alle anderen samt ihrer Autos an die Ostsee gefahren sind. Jan und Josefine würden das natürlich niemals so sehen, und doch sind sie geblieben. Denn – bitteschön – siebeneinhalb Wochen Urlaub zwischen letztem Kita-Tag und Einschulungstermin, wie soll das bei berufstätigen Eltern gehen? Für uns ist das ein Vorgeschmack auf künftige Ferienzeiten, die sich dann nicht auf Wochen, sondern Monate summieren. Aber andere Familien kriegen das schließlich auch hin.

Also mussten, bevor es auf die eigene große Reise geht, erst einmal die Großeltern zur Aufsicht aus dem Rheinland importiert werden. Die sind darin geübt, ihre Enkel zu hüten. Doch nie war es so schön wie in diesem Sommer in Berlin. Kirschkernspucken im Tiergarten, Wasserspielplatzbesuche und Eisschlecken im Volkspark Schöneberg, Zoo mitsamt Knut sowieso, ein Bildungsbesuch bei den „Schönsten Franzosen“ in der Nationalgalerie mit Kinder-Audioguide und ein Abstecher zu den „Küken“, pardon: „Skythen“, im Gropius-Bau. Und da die kleine Berlin-Feriengruppe so gut in Schwung war, besuchte sie auch gleich die Dinosaurier im Naturkundemuseum. Abends beim gemeinsamen Abendbrot auf Balkonien, wie sich das für ordentliche Heimbleiber gehört, konnten wir nur staunen, welche touristischen Destinationen es noch für Enkel und Großeltern in Berlin gibt. Wahrhaft generationenübergreifend aber war ein Konzert der Michel-Combo im Potsdamer Belvedere zu Ehren von Astrid Lindgren. Da sangen alle aus voller Kehle „Hej, Pippi Langstrumpf“, mit besonderer Inbrunst aber wir Eltern, denn schließlich wollen wir in diesem Sommer noch dahin. Mag Berlin in den Ferien für alle anderen auch noch so schön sein. Nicola Kuhn

Das nächste Michel-Konzert des Kammerorchesters Unter den Linden findet am 3. 11. in der Philharmonie statt.

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