Was machen wir heute? : In den Zirkus gehen

Heike Jahberg

Bei gutem Wetter kann man derzeit in Zehlendorf Elefanten sehen. Sie stehen an der Ecke Clayallee/Argentinische Allee in der Nähe des U-Bahnhofs Oskar-Helene-Heim. Eine der Elefantendamen kennt Linda persönlich. Kürzlich hat unsere Kleine nämlich auf ihrem Rücken gesessen und für ein Erinnerungsfoto posiert. Zehn Euro hat das gekostet. Aber uns war es das wert. Denn die Gelegenheiten, Zirkuselefanten zu besuchen, werden seltener. Die große Zeit der Zirkusse ist vorbei.

Der Zirkus, der derzeit in Zehlendorf gastiert, heißt „Circus Fliegenpilz“. Er ist der einzige „Circus unter Wasser“, den ich kenne. Er nennt sich Unterwasserzirkus, weil in der Pause Wasser in die Manege gepumpt wird. Statt Pferden und Zebras treten dann Robben und Pelikane auf. Ansonsten zeigt der Zirkus das volle Programm. Die Uniformen blitzen und blinken, das Orchester spielt munter auf. Der Elefantendompteur legt sich todesmutig auf den Boden und hofft darauf, dass seine Tiere wie jeden Abend über ihn und nicht plötzlich doch einmal auf ihn steigen.

Geschont wird niemand. Das Pferdefräulein macht wenige Minuten nach seiner Pferdedressur Akrobatik auf den Elefanten, die Kunstreiterin verkauft in der Pause Dosenbier und Popcorn für 2,50 Euro. Der Clown schwingt sich aufs Trapez und turnt in luftiger Höhe. In diesem Zirkus packen alle mit an. Doch ob das reicht zum Überleben? An jenem Freitagabend, als wir dort waren, blieb die Hälfte der Plätze leer.

Zirkusse sind altmodisch, aber ehrlich. Was einer kann, muss er jeden Abend aufs Neue beweisen. Zirkus ist immer live und immer authentisch. Und manchmal auch gefährlich. Trotzdem müssen immer mehr Zirkusse aufgeben, weil sie nicht einmal mehr das Futter für die Tiere bezahlen können. Ich finde das schade. Aber wenigstens haben wir unser Foto. Das kann Linda später ihren Enkeln zeigen und von den guten alten Zeiten erzählen – als Kinder noch auf Zirkuselefanten reiten konnten. Heike Jahberg

Der Circus Fliegenpilz gastiert noch bis zum 18. Mai in Berlin, Karten unter: 01577/782 10 10

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