Was machen wir heute? : In der Zeit reisen

Dorothee Nolte

Wir durchleben zur Zeit die ungefähr fünfte Dino-Manie seit unserer Elternwerdung. Diesmal ist Lucas, fünf, die treibende Kraft. Er möchte Forscher werden, möchte Dino-Skelette ausgraben und sie in unserem Wohnzimmer aufstellen, vor allem möchte er einen Tyrannosaurus Rex finden, „der noch eine goldene Krone trägt“. Kaum gerät der Junge in die Gesellschaft von Dinosauriern, zum Beispiel im Naturkundemuseum, blüht er auf. Bei unserem letzten Besuch dort erklärte er wildfremden Leuten die Unterschiede zwischen den Zähnen von Pflanzen- und Fleischfressern.

Am Abend durchblätterten wir die großen Bücher mit den schrecklichen Echsen drin. Der Styracosaurus albertensis zum Beispiel ist eine Wucht. „Mama, hättest du auch gerne so große Stacheln auf dem Rücken?“, fragte der Jungforscher. „Klar“, sagte ich, „das stünde mir sicher gut und wäre eine super Verteidigung, genau wie für unseren Styro vor 100 Millionen Jahren!“ Ich sah dem Kind förmlich an, wie es über die langen Zeitspannen nachsann. Lucas blickte den Dino an, blickte mich an und schien uns zu vergleichen – so, als entstammten wir beide einer gleichermaßen fernen, unbekannten Vergangenheit.

„Mama“, fragte Lucas, „als du ein Kind warst, gab’s doch nur Kutschen, stimmt’s?“ Ich schluckte, um ein Jahrhundert gealtert. „Gab es schon Radios?“ fragte das Kind. Beleidigt erklärte ich, dass es in meiner Kindheit fast alles gegeben habe, was es heute gibt, außer Computern, Handys, DVD-Playern und Bionade. Es gab Autos, es gab Nutella, es gab Fernsehen, es gab Cola – im Grunde, sagte ich, habe sich in den letzten 30 Jahren wenig verändert. Dinos seien auch damals schon sehr selten gewesen. Enttäuscht wechselte das Kind das Thema. „Gestern im Park haben wir einen Fuchs gesehen, das war ein echter Fuchs, nicht elektrisch!“ Siehst du, sagte ich, solche nicht-elektrischen Füchse, die gab es in meiner Kindheit auch schon. Dorothee Nolte

Wer die Dinos im Naturkundemuseum schon auswendig kennt, kann die Sonderausstellungen „Wunderforschung“ und „Abgetaucht“ über Riffe besuchen.

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