Was machen wir heute? : In die Oper gehen

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann

Heike Jahberg

Manchmal ist die Schule doch für etwas gut. Ich zum Beispiel habe dort meine späte Liebe zur Oper entdeckt. Und das kam so. Im letzten Schuljahr hat Tom „Die Zauberflöte“ durchgenommen. Am Ende ist die Klasse in die Deutsche Oper gegangen und hat sich die Aufführung angeschaut. Ich war als Elternbegleitung dabei, um bei Katastrophen, Getuschel, Handyklingeln oder Ohnmachten einzugreifen. Dachte ich zumindest. In Wirklichkeit waren die Schüler mucksmäuschenstill, und ich konnte ungestört zuhören und zuschauen. Und welch Wunder: Ich fand´s wunderschön.

Eine späte Erweckung. Denn mit der Oper hatte ich bislang nicht viel am Hut. Sicher, um opernliebenden Berlin-Besuchern einen Gefallen zu tun, bin ich schon früher gelegentlich mal in eines unserer Opernhäuser gegangen, doch einen tiefen Eindruck hat das nicht hinterlassen. Meine Lieblingsoper war jahrelang „Tommy“ von den Who, die ich als pubertierende Gymnasiastin mit einer Cola in der rechten und einer Chipstüte in der linken Hand in einem Wattenscheider Kino gesehen hatte. „Tommy, can you hear me?“ Yes.

Doch dann kam Mozart. Ich ertappte mich dabei, wie ich beim Putzen nicht mehr Songs von Coldplay vor mich hin summte, sondern die Melodien aus der Oper. Ich sang „Zu Hilfe! Zu Hilfe! Sonst bin ich verloren“ oder das Vogelfängerlied von Papageno. Ich hatte Feuer gefangen und ging wieder in die Oper, wieder in die Zauberflöte. Und dieses Mal nahm ich Toms kleine Schwester mit. Auch Linda ist jetzt ein Fan. Zumindest ein bisschen. Zumindest so sehr, dass sie mich wieder begleiten möchte.

Im Dezember schauen wir uns „Das schlaue Füchslein“ an. Der Rest der Familie bleibt zu Hause. Na ja, man sollte von der Schule auch nicht zu viel erwarten. Heike Jahberg

Das schlaue Füchslein wird am 27. Dezember in der Deutschen Oper aufgeführt. Schön für junge Opernhausbesucher ist auch „Die Fledermaus“ in der Komischen Oper.

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