Kultur : Was machen wir heute?: In Frankfurt flirten

Daniel Haaksman

Wunderbar, dieser Berliner Sommer! Selbst in Mitte kriegen Sie im Moment jeden Parkplatz, direkt vor dem WMF, rund um die Hackeschen Höfe. Man könnte also mal wieder richtig nett ausgehen, das einzige Problem: An diesem Sommerwochenende ist in der Stadt keine einzige gute Party in Sicht. Wenn Sie zufällig vorhatten, heute in den Urlaub zu fahren, sind Sie besser dran. Sollten Sie bei ihrer Reise in den Süden zufällig per Auto fahren, und Sie passieren auf der Strecke das Frankfurter Kreuz, gebe ich Ihnen einen Tipp: Machen Sie heute Abend einen Zwischenstop in Frankfurt am Main. Beginnen Sie Ihren Urlaub mit dem Besuch in einem der momentan besten Clubs der Republik, dem Unity.

Der Club im Frankfurter Ostend hat vor einem dreiviertel Jahr aufgemacht. Das Ambiente hat nordafrikanisches Flair, im Hof steht ein Beduinenzelt mit Sitzkissen, auf die man sich am frühen Abend herrlich fläzen kann. Wenn Sie es sich dort gemütlich gemacht haben, die überaus freundliche Bedienung Ihnen einen Drink gebracht hat und sich der Laden langsam füllt, werden Sie bald feststellen, dass das Publikum im Unity sehr gemischt ist. Studenten, junge Dienstleister, Kunstleute und Immigrantenkids reiben sich hier die Schultern. Frankfurt ist eine internationale Stadt, und das merkt man glücklicherweise auch beim Feiern.

Unity, das klingt für Berliner Ohren vielleicht nach Techno-Rave, aber dieses recht große Wort wird seit Jahren auch häufig in HipHop, Jazz und Reggae verwendet. Und das ist es mehr oder weniger, was in dem kleinen Club von Donnerstag bis Samstag zu hören ist. Auf große DJ-Namen wird im Unity weitgehend verzichtet, das halbe Dutzend Frankfurter Plattendreher, das hier regelmäßig spielt, weiß am besten, wie es seine Gäste in Ekstase versetzt.

Im Unity wird mit einer Ausgelassenheit getanzt, die man in Berliner Clubs schon lange nicht mehr gesehen hat. Mit Drogen hat das übrigens nichts zu tun, es liegt wohl unter anderem daran, dass es hier ziemlich schnell ziemlich warm wird. Ihnen wird vielleicht auch auffallen, dass im Unity sehr viel geflirtet wird. Das mag daran liegen, dass man in dem kleinen Laden keinem Blickkontakt ausweichen kann. Ob das auch der Grund für die sexy Stimmung ist, die sich ab eins, halb zwei breitmacht, ist schwer zu sagen. Jedenfalls sitzen am Ende eines Abends so viele Pärchen knutschend in der Ecke wie kaum irgendwo sonst - und das, obwohl das Publikum im Durchschnitt zwischen 25 und 30 Jahren alt ist.

Nach meiner kleinen Affäre mit Frankfurt habe ich mich gefragt, warum es so etwas wie das Unity eigentlich nicht in Berlin gibt. Natürlich hatte ich, kaum war der Gedanke ausgedacht, ein schlechtes Gewissen. Wenn Sie morgen früh um vier aus dem Unity stolpern, könnte es Ihnen vielleicht ähnlich gehen. Ich habe mich damit getröstet: Ein kleiner Flirt belebt die Beziehung. Bis nächste Woche dann, in Berlin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben