Was machen wir heute? : Indianer besuchen

Plümper

Teuflische Wilde ermorden unschuldige weiße Frau“! Anfangs werden in der Ausstellung „Indianer Nordamerikas“ Klischees über Indianer erwähnt. Der Begleiter des Rentners sieht sofort ein inneres Bild und kann dazu Karl May zitieren: „Es regnet, und wer genau hinguckt, kann zwischen den Bäumen einen Reiter sehen, er muss schon lange unterwegs sein...“ Er erzählt von den Western, die er gesehen hat, damals, vor mehr als 40 Jahren. Auch des Rentners Frau wollte als kleines Mädchen immer Nscho- tschi, die Schwester Winnetous, werden. Das alles ist am Rentner vorbeigegangen, Karl May fand er langweilig.

Schnell merkt er aber, dass seine Vorstellungen von „den Indianern“ mehr als nebulös sind: Das Museum zeigt den ganzen Reichtum der unterschiedlichen nordamerikanischen Kulturen vom Südwesten über Kalifornien bis hin zu den Innuit, den Eskimos. Die Menge und die Vielfalt der Ausstellungsstücke zum Leben und zur Geschichte der Indianer sind umwerfend: Zelte, Roben, Federschmuck, kunstvoll geflochtene Körbe, Mokassins, Friedenspfeifen, Kanus bis zur modernen indianischen Kunst.

Der Rentner ist beeindruckt von einer Skulptur, die den letzten Indianer eines Stammes zeigt, gewickelt in ein Totenlaken, das Gesicht entstellt vom Alkoholismus: der Krankheit der modernen Gesellschaft, die den letzten Indianer getötet hat, wie der Künstler Peter B. Jones erklärt.

1997 kam eine Gruppe Eskimos aus Alaska ins Museum. Die schon sehr alten Menschen konnten die seit 1830 in Dahlem gesammelten Gegenstände besichtigen, sich das handwerkliche Geschick und das damalige Leben ihrer Vorfahren vergegenwärtigen. Sie sind die Letzten, die mit der Handhabung noch vertraut sind. Mit den Bildern dieser Objekte reisten sie in ihre Heimat zurück und wollen das Wissen an die jüngere Generation weitergeben. Ob unsere Kindeskinder auch einmal dazu ins Museum müssen? Plümper

Ethnologisches Museum, Eingang Lansstraße 8; Di - Fr 10 - 18 Uhr, Sa - So 11 - 18 Uhr

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