Was machen wir heute? : Ins Center fahren

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Es war ein schöner Tag, das Hochwasser befand sich noch in weiter Ferne, da fuhren wir an die Oder, um uns dort ins Gras zu legen. Der Oderort mit dem schönen Namen Hohenwutzen schien der nächste zu sein, dorthin fuhren wir und sahen die Brücke und dachten: Wenn wir schon mal hier sind, fahren wir nach Polen, dort werden sie auch Gras haben.

Hatten sie, und wir legten uns darauf und blickten hinüber auf die deutsche Seite und fanden, dass es dort längst nicht so schön aussah wie hier, weil dort alles sehr gemäht und hergerichtet war. Außerdem liefen dort viele Menschen hin und her, während hier, auf polnischer Seite, eine große Ruhe herrschte.

Auf dem Rückweg machten wir vor der Brücke halt. Da steht ein polnisches Einkaufszentrum mit dem exotischen Namen „Oder Center Berlin“. Die festen Gebäude sind von nordkoreanischem Charme, bei einigen wird sich der Bauherr gedacht haben: Das bau ich später vielleicht fertig, für den Augenblick ist es scheußlich genug. Die Verkaufsstände befinden sich hauptsächlich vor den Gebäuden. An den meisten gibt es Zigaretten. Und Gartenfiguren aus dubiosen Materialien, Zwerge natürlich, riesengroß, außerdem Frösche, Tiger und ägyptische Krieger.

Zwei Tankstellen bieten Benzin an, an einer steht, dass es sich um deutsches Benzin handele. Dass die Grenze eine Grenze ist, wussten wir wohl, schon wegen der Preisunterschiede. Sonst deutete nichts darauf hin, kein Grenzhaus, kein Mensch in Uniform, der die Spritliter oder die Zigaretten gezählt hätte, die hier importiert wurden.

Auf dem Rückweg dachten wir: Wie nah dieses Land doch ist, erstaunlich, dass man so selten hinfährt, obwohl es so schöne Wiesen bereithält. Und dass sie für uns Deutsche all die Schädlichkeiten bereithalten, nach denen wir verlangen, Sprit, Zigaretten, Gartenmonster, gleich hinter der Grenze, das ist doch auch eine freundliche Geste. David Ensikat

Mehr zu Hohenwutzen auf der Seite www.hohenwutzen.de

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