Was machen wir heute? : Ins Hotel gehen

Susanne Kippenberger

Sie streicheln die weißen Bettdecken, sie inspizieren das Klo, bewundern die Aussicht über West-Berlin. „Keck“ findet eine von ihnen das Turmzimmer, „ganz keck!“. Am liebsten würde sie gleich einziehen ins Ellington.

Wie schön, dass man Berliner ist. Da muss man ja nicht ins Hotel, wo man für ein, zwei Nächte schnell so viel wie ein Einheimischer für seine Wohnung im ganzen Monat zahlt. Wie schade aber auch: Neugierig ist man schon, wie es in all den neuen Herbergen so aussieht. Und so bieten die Stadtführer von „art:berlin“ neben Rundgängen durch Hinterhöfe und Botschaften auch welche durch Hotels an.

An diesem Nachmittag sind lauter Veteranen dabei, sie waren schon im Ritz Carlton Kaffee trinken und im Grand Hotel auf der Dachterrasse, nun also im Ellington, das im März, beim KaDeWe ums Eck, eröffnet hat. In einem der schönsten Bauten der Moderne in Berlin – und einem der eindrucksvollsten: Die elegante Front nimmt fast die gesamte Strecke zwischen Tauentzien und Lietzenburger ein. Der Hotelflur ist mit 165 Metern der längste, den man seit „Shining“ sah. „Filmreif“, findet ein Gast.

In den 20er Jahren war in dem Bürogebäude das Ballhaus Femina untergebracht, nach dem Krieg der Jazzclub namens Badewanne, die meisten West-Berliner kennen das Haus vom „Dschungel“, jahrzehntelang die Disco West-Berlins. Bis zur Wende residierte hier auch die Senatsfinanzverwaltung, jahrelang stand es dann leer, nun beweist das Hotel, das zum Estrel gehört, woran viele Berliner ja immer wieder lautstark zweifeln, wie gut Alt und Neu zusammenpassen. Schlicht und modern ist das Haus von innen wie von außen. Gut, einige Zimmer sind recht klein, wegen des Denkmalschutzes durften keine Wände rausgerissen werden. Aber so wurden auch all die schönen Details, die Sprossen-Doppelfenster aus Holz und die Messingtüren, erhalten. Gesegnet sei der Denkmalschutz. Susanne Kippenberger

Ellington Hotel, Nürnberger Straße 50–55, Bar, Sommergarten und Restaurant stehen allen Berlinern offen. art:berlin, www.artberlin-online.de, Tel. 28 09 63 91.

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