Was machen wir heute? : Ins Licht gehen

Plümper

Ein nackte männliche Gestalt reckt sich mit erhobenen Armen dem Licht entgegen, es ist der berühmte Entwurf von Fidus. Dann werden physikalische Experimente mit Licht gezeigt. Der nächste Raum fängt mit einem Gag an, ein gänzlich schwarzer Druck, „Berlin bei Nacht, vom Austern-Keller aus gesehen“. In den Kästen dann Öllampen, Feuerzeuge, Petroleumlampen. Das Märkische Museum breite hier seine gesamten Schätze aus, meint der Freund des Rentners.

Es folgt Saal auf Saal: Die Erfindung des Wolframfadens, historische oder noch heute im Stadtbild vorhandene Kandelaber, Gaslampen, alte Schalter und Stromkupplungen, Sammlungen zu Film und Filmtheater, zur Lichtarchitektur der Nazis, die Zerstörung Berlins in Bildern, die Berliner Mauer – die ganzen Schätze eines Heimatmuseums.

Die Gemälde, Zeichnungen und Stiche sind erstaunlich qualitätsvoll: Feiningers „Gasometer in Schöneberg“, Rathenau von Munch gemalt, Gemälde von Skarbina. Auf einem Bild von Baluschek, das Prostituierte darstellt, ist die Schönste und Größte allerdings eine Gaslaterne. Ein Panoptikum meint der Rentner, jeder wird etwas Interessantes oder Bewegendes finden.

Völlig erschöpft treffen die Freunde am Ausgang Bekannte, die nach dem Eindruck fragen. Der Künstlerfreund erzählt von der ausgestellten Luftschutzkellertür, wie unheimlich die eingespielten Bombergeräusche waren. Das Fallen der Bomben habe man aber vergessen, ein feines hohes Sirren, dann habe sich seine Mutter immer über ihn geworfen, er rieche noch heute die Mottenkugeln; seine Mutter habe immer den teuersten Pelz im Luftschutzkeller getragen. Zuerst scheint dem Rentner das alles etwas zu ausführlich, aber dann erzählt er ebenfalls von den Flakgeräuschen, dem düsteren Kerzenlicht und den Erschütterungen durch Bombentreffer, von seiner kindlichen Angst. Etwas entschuldigend sagt der Künstlerfreund: Wir werden das nicht mehr los! Plümper

Berlin im Licht Märkisches Museum Am Köllnischen Park 5 10179 Berlin-Mitte

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