Kultur : Was machen wir heute?: Ins Radio kommen

Daniel Haaksmann

Huch! Schon wieder Freitag! Wirklich unglaublich, wie schnell die Tage dahinfliegen, seitdem sie so kurz geworden sind. Ja, man könnte wirklich meinen, die Sonne geht in Berlin nicht mehr auf. Vor allem, wenn man bis fünf, sechs Uhr morgens ausgeht. Man wacht nachmittags auf, und schon ist es wieder dunkel.

So kann das nicht weitergehen! Ein bisschen Tageslicht muss sein. Da trifft es sich gut, dass man an diesem Wochenende bei einem Spaziergang wahrscheinlich mehr erleben kann als in den Berliner Clubs. Denn dort gibt es leider wenig, was einen hinter dem Ofen hervorlocken könnte.

Dafür gibt es schon heute einen Tipp für nächste Woche. Wie jeden letzten Donnerstag im Monat ist im WMF die Twen FM-Party. Über den Berliner Radiosender haben wir an dieser Stelle schon ein paar Mal berichtet. Twen FM begann als Piratensender in Mitte, wurde wegen illegalem Sendebetriebes eingestellt, machte dann aber als Internet-Radio weiter und sendete schließlich sein Programm mit einer Web Cam ausgestattet über den Offenen Kanal Berlin. Zahlreiche Berliner DJs hatten dort eine eigene, regelmäßige Sendung, man erfuhr Neuigkeiten und Programmhinweise aus den hiesigen Clubs, vor allem aber konnte man ohne Ende gute Musik hören.

Ob Two Step, House, HipHop oder Ragga - das musikalische Format von Twen FM war nach allen Seiten hin offen. Es war gewissermaßen Radio, wie ich mir das in Berlin schon immer gewünscht hatte: Gänzlich frei von nerviger Werbung, ohne Jingle-Terror und kreuzdumme Moderationen. Doch im Frühjahr letzten Jahres war dann Schluss. Das Streaming, das heißt die Internet-Ausstrahlung des Twen FM-Programms war nicht mehr möglich

da der Twen-FMschen Sendeinstitution kulturserver.de das Geld ausging.

Jetzt sucht Twen FM erst mal nach Finanzierungsmöglichkeiten, und eine Quelle unter vielen sollen die Partys im WMF sein. Viel wird damit vielleicht nicht verdient, aber Wolfgang Renner, einer der Macher von Twen FM, sagt: "Mit der Veranstaltung wollen wir ein Forum schaffen, für alle, die selbstbestimmtes Radio nicht als private Spinnerei, sondern als eine wichtige lokale Medien-Plattform betrachten".

Diese Meinung teilen in Mitte offensichtlich eine ganze Menge Leute. Selten konnte man an einem Donnerstag im WMF in letzter Zeit so viele Mitte-Club-Akteure auf einmal treffen.

Mal sehen, ob das reicht, Twen FM wiederzubeleben. Jedenfalls können auch Sie dazu beitragen. Es reicht schon, wenn Sie nächsten Donnerstag nur Eintritt zahlen. Wenn Sie dann nur feiern wollen, auch okay, Klaus Kotai vom Berliner Elektro Music Department wird mit Live-Gesang und Elektro-Beats dafür sorgen, dass der Spaßfaktor bei Twen FM garantiert nicht auf der Strecke bleibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar