Was machen wir heute? : Keinen Gegner fürchten

Wie ein Vater die Stadt erleben kann - Hockey in und um Berlin erleben.

Sven Goldmann

Meine drei Jungs spielen alle Hockey. In Zeiten, da der Fußball durch Wettmafia, rassistische Fans und, leider!, Diego Maradona nicht eben gut dasteht, könnte ich das als weise Lebensplanung darstellen. In Wirklichkeit stand ein Freund meiner Frau in den neunziger Jahren einem Hockeyverein vor und kam deshalb an eine Turnhalle heran. Die Jungs rannten wie wild durcheinander und spielten Fangen oder „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?“

Hockey spielte erst mal keine große Rolle, und das war gut so, denn die Regeln habe ich erstens nicht kapiert und zweitens nicht ernst genommen. Was soll man halten von einem Sport, bei dem man den Ball nur mit einer Seite des Schlägers berühren darf und der Schiedsrichter alle naselang pfeift, ohne dass ein Normalsterblicher den Grund auch nur ahnt? Ich habe diesen Punkt mal dezent erwähnt, von meiner Frau ein T-Shirt geschenkt bekommen mit der Aufschrift: „Wenn Hockey einfach wäre, würde es Fußball heißen.“

Seitdem sind reichlich Jahre ins Land gegangen und Hockey ist aus unserem Familienleben nicht mehr wegzudenken. An jedem Wochenende gibt es mindestens drei Spiele, und rund um Berlin gibt es keinen Hockeyplatz und keine Hockeyhalle, in der ich nicht schon mehr Stunden abgesessen habe als früher in der Kneipe.

Weil die Zeit viele Unwissenheiten heilt, kenne ich auch den Unterschied zwischen langer und kurzer Ecke und weiß, was eine argentinische Rückhand ist. Ja, ich habe das Hockey lieb gewonnen, jeder kennt jeden, wir sind wie eine große Familie. Vor einem Jahr sind wir in Peking Olympiasieger geworden und es gibt uns schon ein gutes Gefühl, dass wir anders als die Fußballer keinen Gegner auf der Welt fürchten müssen. Vor ein paar Wochen haben mir die Jungs ein neues T-Shirt geschenkt mit dem Slogan: „Wenn Hockey einfach wäre, könnten es auch die Holländer.“

Hockey auf höchstem Niveau kann man in Berlin an jedem Wochenende sehen. Allein in der Halle gibt es bei den Damen und Herren je fünf Erstligisten.

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