Was machen wir heute? : Klima retten

Wie eine West-Berlinerin die Stadt erleben kann - in der Klimaschutz-Ausstellung.

Ariane Bemmer

Dass der Weltklimagipfel in Kopenhagen gescheitert ist, wundert mich keine Sekunde lang. Klima ist einfach nicht mehr das Thema, mit Klima rechtfertigt man nichts mehr. Im Gegenteil, wer meint, sich mit Hinweis aufs Klima eine kleine Extrarolle herausnehmen zu können, ist selbst der Buhmann. So ging es mir neulich, als ich aus Wegverkürzungsgründen auf dem Bürgersteig Rad fuhr. „Hier nicht fahren, schieben“, schnauzten mich zwei dicke Ordnungsamtsmitarbeiter an. „Ja aber“, sagte ich.

„Fünf Euro bar oder Strafzettel“, schnauzten sie weiter.

„Ja aber!“, wiederholte ich etwas lauter.

„Hier nicht fahren, schieben!“, wiederholten sie etwas lauter.

Mir platzte mein biobaumwollener Kragen. Da radelt man sich emissionslos die Waden stramm, nur um das dämliche Klima zu retten, wovon auch die dicken Ordnungsamtsmitarbeiter profitieren, und sie danken es mit verbohrtem Bestehen auf Einhaltung irgendwelcher Verkehrsreglements, die bisweilen noch aus der Zeit vor dem sauren Regen stammen. „Radfahrer anzumeckern ist überhaupt nicht zeitgemäß!“, schrie ich los, quasi der Lumumba Di-Aping unseres Miniklimagipfels, also im Grunde recht haben, aber unsympathisch auftreten, während die Dicken die Wir-sind-aber-stärker-Fraktion aus Obama und dem Chinesen Wen gaben. Wir beschimpften uns eine Weile, dann verlangten sie ultimativ die Herausgabe meiner Daten, noch so ein sensibles Thema!

„Ich heiße, äh, Margit“, sagte ich.

„Wie bitte?“, die zwei kamen einen bedrohlichen Schritt auf mich zu. Ich gab auf, rückte meine gesamten Daten raus und schob mein Fahrrad bis zum nächsten Radweg. Da kam von hinten ein anderer Radler an. „Gab’s einen Strafzettel?“, fragte er mitleidig. Ich nickte. Da lachte die Sau. Es gibt keine Solidarität mehr. Nicht mit dem Klima – und erst recht nicht mit mir. Ariane Bemmer

Trotzdem: Klimaschutzideen zeigt noch bis morgen die Wanderausstellung „Klima schützen kann jeder!“ in der Verbraucherzentrale Berlin, Hardenbergplatz 2

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